Genesis 43,15–29
Eigene Übersetzung
- Und die Männer nahmen dieses Geschenk und doppeltes Geld in ihre Hand und auch Benjamin. Und sie standen auf, zogen hinab nach Ägypten und stellten sich vor Joseph.
- Und als Joseph Benjamin unter ihnen sah, sprach er zu dem, der über sein Haus gesetzt war: Bringe die Männer ins Haus, schlachte ein Tier und bereite es zu, denn die Männer sollen heute mit mir zu Mittag essen.
- Und der Mann machte es, wie Joseph ihm gesagt hatte, und brachte die Männer in Josephs Haus.
- Da fürchteten sich die Männer, weil sie in Josephs Haus gebracht wurden, und sie sprachen: Wegen des Geldes, das zuerst in unsere Säcke zurückgelegt wurde, werden wir hierher gebracht. Nun wird er über uns herfallen und uns zu Sklaven machen, samt unseren Eseln.
- Und sie näherten sich dem Mann, der über Josephs Haus war, und redeten mit ihm am Eingang des Hauses.
- Und sie sprachen: Bitte, mein Herr! Wir sind schon früher herabgezogen, um Getreide zu kaufen.
- Und es geschah: Als wir an unser Lager kamen und unsere Säcke öffneten, siehe, da war das Geld eines jeden in der Öffnung seines Sackes – unser Geld nach seinem Gewicht.
- Und wir haben es wieder in unserer Hand herabgebracht und auch anderes Geld, um Getreide zu kaufen. Wir wissen nicht, wer unser Silber in unsere Säcke gelegt hat.
- Er aber sprach: Friede sei mit euch! Fürchtet euch nicht! Euer Gott und der Gott eurer Väter hat euch einen Schatz in eure Säcke gegeben. Euer Geld ist zu mir gekommen. Und er brachte Simeon zu ihnen heraus.
- Und der Mann führte die Männer in Josephs Haus. Man gab ihnen Wasser, und sie wuschen ihre Füße; auch ihren Eseln gab man Futter.
- Und sie bereiteten das Geschenk, bis Joseph am Mittag kam, denn sie hatten gehört, dass er dort mit ihnen essen würde.
- Als Joseph in das Haus kam, brachten sie ihm das Geschenk, das sie in ihren Händen hatten, ins Haus, und sie warfen sich vor ihm zur Erde nieder.
- Und er fragte sie nach ihrem Wohlergehen und sprach: Geht es eurem alten Vater gut, von dem ihr mir erzählt habt? Lebt er noch?
- Und sie antworteten: Es geht deinem Knecht, unserem Vater, gut; er lebt noch. Und sie verneigten sich und warfen sich nieder.
- Und er erhob seine Augen, sah Benjamin, seinen Bruder, den Sohn seiner Mutter, und sprach: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir erzählt habt? Und er sprach: Gott sei dir gnädig, mein Sohn!
Gedanken zum Text
Hier kann ich die Brüder gut verstehen. Wer würde schon erwarten, beim Versuch Getreide zu kaufen, ins Haus des Premierministers eingeladen zu werden? Das muss eine eigenartige Erfahrung gewesen sein.
Es ist nachvollziehbar, dass sie alles vorher richtigstellen wollen. Doch haben die Worte sie wirklich beruhigt oder sie mehr beunruhigt als hätte der Mann die Entschuldigung angenommen? Für mich ist es meist angenehmer, wenn jemand eine Entschuldigung annimmt, als wenn er sagt, dass es doch eigentlich gar nichts war.
Interessant ist, dass er von ihrem Gott und dem Gott ihrer Väter spricht. Das klingt fast so, als hätte Joseph ihm diese Worte aufgetragen. Er spricht von Gott im Singular (erkennbar am Verb) und nennt ihn den „Gott der Väter“ – eine Formulierung, die auch sonst für den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs gebraucht wird. Vielleicht gab es ähnliche Vorstellungen auch in Nachbarvölkern, aber hier klingt es doch sehr passend für die Söhne Israels.
Auffällig ist zudem, dass sich die Brüder in der ganzen Erzählung (auch in den vorherigen Abschnitten) immer wieder vor Joseph verbeugen.
Fragen zum Nachdenken
- Ist das sprechen vom “eurem Gott und dem Gott eurer Väter” wirklich so auffällig wie ich meine, oder doch auch für Ägypter gängig?
- Wie stark mag der Gedanke versklavt zu werden sie daran erinnern, das sie Jospeh in die Sklaverei verkauft haben?
- Was will Joseph damit bewirken sie zum Essen einzuladen, ohne sich ihnen vorher zu erkennen zu geben?
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