Genesis 35,16-22a
Eigene Übersetzung
- Und sie brachen auf von Bethel, und es war noch ein Stück Weg bis nach Efrata, da gebar Rahel – und sie hatte es schwer mit ihrer Geburt.
- Und es geschah, während sie schwere Wehen hatte, da sprach die Hebamme zu ihr: Fürchte dich nicht, denn auch dieser ist ein Sohn für dich.
- Und es geschah, als ihre Seele ausging – denn sie starb –, da nannte sie seinen Namen Ben-Oni. Aber sein Vater nannte ihn Benjamin.
- Und Rahel starb, und sie wurde begraben auf dem Weg nach Efrata – das ist Bethlehem.
- Und Jakob richtete einen Gedenkstein auf über ihrem Grab – das ist der Grabstein Rahels bis heute.
- Und Israel brach auf und schlug sein Zelt jenseits von Migdal-Eder auf.
- a) Und es geschah, als Israel in jenem Land wohnte, da ging Ruben und lag mit Bilha, der Nebenfrau seines Vaters. Und Israel hörte davon.
Gedanken zum Text
Rahels großer Wunsch war es, einen zweiten Sohn zu bekommen. Doch sicher hatte sie sich nicht vorgestellt, dass die Erfüllung dieses Wunsches sie das Leben kosten würde.
Bis hierher sind die Erzählungen der Patriarchen – gemessen an der damaligen Zeit – auffällig glatt verlaufen: Keine Totgeburten, kein Sterben bei der Geburt. Statistisch gesehen ist das eher ungewöhnlich. Denn früher war es nicht selten, dass eine Frau und/oder das Kind bei der Geburt starben. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind das Erwachsenenalter erreichte, war deutlich geringer als heute.
Jakob erscheint insgesamt als ein Mann, der viel Leid durchleben musste:
Er muss vor seinem Bruder fliehen und sieht seine Mutter nie wieder.
Er arbeitet viele Jahre hart und wird von seinem Schwiegervater betrogen, sodass er eine Frau heiraten muss, die er gar nicht wollte.
Es gibt Konflikte im eigenen Haus, seine Tochter wird vergewaltigt, seine Söhne werden zu brutalen Mördern.
Dann stirbt auch noch Rahel, die Frau, die er wirklich liebte.
Und nun begeht sein ältester Sohn eine schwere Verfehlung, indem er mit Bilha, Jakobs Nebenfrau, schläft – eine Sünde, auf die später die Todesstrafe stehen wird (3 Mose 22,11).
Gerade das macht die Bibel aber auch so ehrlich: Sie verschweigt die dunklen Seiten der Menschen nicht. Sie stellt uns Menschen vor, mit denen Gott seinen Weg geht – trotz ihrer Schuld und Schwächen.
Keiner der Patriarchen lebt ein wirklich vorbildliches Leben. Die Schwere ihrer Vergehen variiert, doch manche Dinge – wie dieser Inzest – sind aus späterer biblischer Sicht gravierend und gesetzlich todeswürdig.
Fragen zum Text
- Warum musste Jakob so viel Leid ertragen?
- Was lernen wir aus diesen Geschichten leidender Menschen?
- Warum stellt die Bibel die Glaubenslinie ausgerechnet durch so „gescheiterte“ Persönlichkeiten dar?
Was sagt das über Gott – und was über unseren Glauben?
Verlinkte Beiträge