Genesis 34,1-19
Eigene Übersetzung
- Und Dina, die Tochter Leas, die sie Jakob geboren hatte, ging hinaus, um die Töchter des Landes zu sehen.
- Da sah Sichem, der Sohn Hamors, des Hewiters, des Fürsten des Landes, sie und nahm sie und lag mit ihr und vergewaltigte sie.
- Und seine Seele hing an Dina, der Tochter Jakobs, und er liebte die junge Frau und sprach zum Herzen der jungen Frau.
- Und Sichem sprach zu seinem Vater Hamor: Nimm mir dieses Mädchen zur Frau!
- Und Jakob hörte, dass er Dina, seine Tochter, verunreinigt hatte; aber seine Söhne waren mit der Herde auf dem Feld, und Jakob schwieg, bis sie kamen.
- Da ging Hamor, der Vater Sichems, zu Jakob, um mit ihm zu sprechen.
- Und die Söhne Jakobs kamen vom Feld; als sie es hörten, bekümmerte es die Männer, und sie wurden sehr zornig, denn er hatte eine Schandtat in Israel getan, indem er mit der Tochter Jakobs lag – so etwas darf nicht geschehen.
- Und Hamor redete mit ihnen: Mein Sohn Sichem, seine Seele hängt an eurer Tochter. Gebt sie ihm doch zur Frau!
- Und verschwägert euch mit uns: Eure Töchter gebt uns, und unsere Töchter nehmt für euch.
- Und bleibt bei uns wohnen, und das Land sei vor euch offen. Bleibt, wandelt darin und nehmt es in Besitz.
- Und Sichem sprach zu ihrem Vater und ihren Brüdern: Lasst mich Gunst finden in euren Augen! Was ihr mir sagt, will ich euch geben.
- Macht das Heiratsgeld und die Gabe so groß, wie ihr wollt – ich will sie geben, wie ihr zu mir sprecht, nur gebt mir die junge Frau zur Frau!
- Da antworteten die Söhne Jakobs Sichem und seinem Vater Hamor mit Betrug – wegen der Sache, dass er ihre Schwester Dina unrein gemacht hatte.
- Und sie sprachen zu ihnen: Wir können diese Sache nicht tun, dass wir unsere Schwester einem Mann geben, der eine Vorhaut hat – denn das ist eine Schande für uns.
- Nur dann können wir euch zustimmen: wenn ihr werdet wie wir, indem ihr alles Männliche bei euch beschneiden lasst.
- Dann geben wir euch unsere Töchter und nehmen für uns eure Töchter und wohnen bei euch, und wir würden ein Volk.
- Wenn ihr aber nicht auf uns hört, euch beschneiden zu lassen, dann nehmen wir unsere Schwester und gehen.
- Und ihre Worte waren gut in den Augen Hamors und in den Augen Sichems, des Sohnes Hamors.
- Und der junge Mann zögerte nicht, die Sache zu tun, denn er hatte Gefallen an der Tochter Jakobs, und er war geehrter als das ganze Haus seines Vaters.
Gedanken zum Text
Eine tragische Geschichte – die noch viel tragischer wird. Will der Autor damit andeuten, dass es nicht gut war, dass Jakob sich so nah an der Stadt niedergelassen hat? Oder steht die Geschichte unabhängig davon?
Dinas Verhalten scheint nicht anders zu sein, als es heute bei Mädchen wäre: Man will erleben, wie die anderen sind. Lange Zeit war es wohl so, dass unser Wohnort den Einfluss auf unsere Kinder stark geprägt hat. Das ist auch heute noch so – aber durch das Internet scheint es mir, dass viele negative Kultureinflüsse inzwischen ortsunabhängig zugänglich sind.
Sicher: Eine Vergewaltigung übers Internet ist nicht direkt möglich. Aber ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob Dina hier wirklich völlig Opfer war – oder ob sie zumindest teilweise mitgemacht hat. Die Reaktion Sichems, dass er sich so sehr in sie verliebte, lässt sich leichter nachvollziehen, wenn sie sich nicht die ganze Zeit gewehrt hätte.
Sichem, als Sohn des Herrschers, hätte wahrscheinlich fast jedes Mädchen bekommen können, das er wollte. Doch er ist so vernarrt in Dina, dass er bereit ist, jeglichen Brautpreis zu bezahlen.
Wenn sie jedoch wirklich die Einladung angenommen hätten und sich Jakob und seine Söhne entschieden hätten, dort sesshaft zu werden und sich mit dem Volk zu vermischen – hätte das zum Plan Gottes gepasst? Sollten sie nicht weiterhin als Fremdlinge leben?
Fragen zum Text
- Welchen Einfluss hat unser Wohnort heute noch auf unsere Kinder?
- Hat Jakob richtig reagiert, als er zunächst schwieg, nachdem er von der Vergewaltigung erfuhr?
- Wie könnte Dina sich bei dem ganzen gefühlt haben – und warum kommt sie im Text nicht zur Rede?
- Was bedeutet es, dass hier von einer „Schandtat in Israel“ die Rede ist, obwohl es Israel als Volk noch gar nicht gibt?