Deuteronomium 18,3-5
Eigene Übersetzung
3) Dies sind die Rechtssprüche der Priester betreffend des Volkes und derer, die Schlachtopfer opfern ob Rind oder Schaf: man soll dem Priester den Vorderkeule und die Kinnbacken geben und das Mittlere.
4) Die Erstlinge deines Getreides, deines Weines und deines Öles und das erste der Schur deiner Schafe gebe ihm,
5) denn ihn hat Jahwe, dein Gott erwählt aus allen deinen Stämmen um zu stehen und dem Namen Jahwes zu dienen, er und seine Söhne, alle Tage.
Gedanken zum Text
Zwei Dinge kommen mir in den Sinn, wenn ich über diese Passage nachdenke. Zum einen fällt auf, dass die Priester (und Leviten) Anspruch auf deutlich mehr als nur den Zehnten hatten. An jedem Opfer bekamen sie einen Anteil und ebenso an allen Erstlingsfrüchten – auch wenn ich keine genaue Definition kenne, wie viel die Erstlingsfrüchte eigentlich umfassen. Bei Bäumen vielleicht der gesamte erste Ertrag? Aber beim hier erwähnten Getreide – ist es die Ernte des ersten Tages? Ist sie prozentual festgelegt? Oder ist es nur ein bisschen?
Wie auch immer, es war definitiv mehr als nur der Zehnte. Vielleicht wurde es auch bewusst nicht nach Menge definiert, sodass jeder selbst entscheiden konnte, wie viel er tatsächlich (über den Zehnten hinaus) geben wollte?
Ein weiterer Gedanke: Wenn die Priester so viele Opfer darbrachten und von jedem Opfer einen Teil des Fleisches erhielten, muss ihre Ernährung sehr fleischlastig gewesen sein, in einer Zeit, in der die meisten Menschen eher selten Fleisch aßen. Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten damit, da wir heute wissen, dass Fleisch nicht das gesündeste Lebensmittel ist (auch wenn es damals, vor der Zeit der Pestizide und Massentierhaltung, sicherlich gesünder war als heute). Wie kann es sein, dass diejenigen, die im Tempel dienten und Gott am nächsten waren, von Gott eine eher ungesunde Ernährung zugeschrieben bekommen haben?
Vielleicht könnte man sagen, dass sich der Priester für andere aufopferte und eine ungesündere Ernährung in Kauf nahm – aber das erscheint mir unpassend. Fleischkonsum wurde meist mit Festen und „sich etwas Gutes tun“ assoziiert. Selbst als Veganer muss ich zugeben, dass einige Fleischprodukte sehr schmackhaft sein können – besonders in der damaligen Zeit, in der die Auswahl an verschiedenen Gemüse- und Obstsorten nicht so vielfältig war wie heute.
Könnte es sein, dass einige Menschen die Priester sogar darum beneidet haben, so viel Fleisch essen zu dürfen?Gleichzeitig hatte vermutlich kaum jemand den Eindruck, dass sie dadurch eine schlechtere Ernährung hatten. Hier scheint die Symbolik der Opfer wichtiger gewesen zu sein als die gesundheitlichen Aspekte der Ernährung. Was denkst du dazu?
Verlinkte Beiträge