Matthäus 10,9-15
Bibeltext (Menge Übersetzung)
- Sucht euch kein Gold, kein Silber, kein Kupfergeld in eure Gürtel zu verschaffen,
- nehmt keinen Ranzen (oder: keine Reisetasche) mit auf den Weg, auch nicht zwei Röcke (oder: Unterkleider), keine Schuhe und keinen Stock, denn der Arbeiter ist seines Unterhalts (= der Ernährung) wert.
- Wo ihr in eine Stadt oder ein Dorf eintretet, da erkundigt euch, wer dort würdig sei (euch zu beherbergen), und bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht.
- Beim Eintritt in das Haus entbietet ihm den Friedensgruß,
- und wenn das Haus es verdient, soll der Friede, den ihr ihm gewünscht habt, ihm auch zuteil werden; ist es dessen aber nicht würdig, so soll euer ihm gewünschter Friede zu euch zurückkehren.
- Wo man euch nicht aufnimmt und euren Worten kein Gehör schenkt, da geht aus dem betreffenden Hause oder Orte hinaus und schüttelt den Staub von euren Füßen ab!
- Wahrlich ich sage euch: Dem Lande Sodom und Gomorrha wird es am Tage des Gerichts erträglicher ergehen als einer solchen Stadt!
Kommentar
Als Jesus seine Jünger aussandte, gab er ihnen klare Anweisungen, was sie alles nicht besorgen sollten. So wie Matthäus es beschreibt, ist es in erster Linie eine Anweisung, sich nicht vorzubereiten.
Dabei haben die erwähnten Objekte ähnliche, aber nicht identische Funktionen auf einer Reise. Geld kann natürlich, wie auch heute, für so ziemlich alles verwendet werden und bietet damit die Grundlage, sich Unterkunft und Verpflegung kaufen zu können. Ein Beutel selbst ermöglicht es, Verpflegung mitzuführen. Selbst wenn man keine Unterkunft hat, kann man so entweder etwas mitnehmen oder, wenn man etwas findet oder bekommt, es auf Vorrat mitnehmen. Ein zweites Unterkleid kann der Bequemlichkeit dienen – so kann man eines waschen, während man das andere noch trägt. Dieses Waschen würde jedoch Zeit in Anspruch nehmen, die der Jünger nicht zu verschwenden hat. Zudem könnte es in der Nacht zusätzliche Wärme spenden.1 Im Vertrauen darauf, dass Gott dafür sorgen wird, dass sie Unterkunft bekommen, wäre das nicht notwendig. Auch Schuhe dienen der Bequemlichkeit, zudem war das Schnüren von Sandalen etwas zeitaufwendig und dreckig, eine Aufgabe die man normalerweise den Sklaven überlies statt sie selbst zu tun.2 Der Stock kann das Wandern ebenfalls bequemer machen, wurde zudem aber auch als Waffe zum Schutz vor Überfällen und wilden Tieren verwendet.3 Im Vertrauen auf Gott bedurfte der Jünger auch dieses nicht.
Dies hat vor allem zwei Effekte. Zum einen spart es jegliche Zeit für die Vorbereitung. Sie konnten so losgehen, wie sie waren. Es gab keinen Grund, vorher nach Hause zu gehen und irgendetwas zu holen. Sie sollten völlig auf Gott vertrauen, dass er sie mit dem Nötigen versorgen wird.4
Zweitens war es auch Teil der Botschaft. Die Jünger hatten die Aufgabe, das Himmelreich zu verkündigen, die wahre Herrschaft Gottes, ein Königreich das nicht von dieser Welt ist und nicht den Regeln dieser Welt folgt.5 Ein Botschafter, der diese Botschaft barfuß bringt, ohne irgendetwas dabeizuhaben, um sich selbst zu versorgen, wirkt hier noch glaubwürdiger. Hier sei auch nicht an Bettelmönche zu denken. Ganz im Gegenteil: Ihre Aufgabe war es nicht, zu betteln und andere davon zu überzeugen, sie zu versorgen.6 Die sollten lediglich in die Stadt gehen, schauen, ob dort jemand empfänglich oder offen ist, und bei diesem bleiben.
Das Bleiben ist hier ebenfalls sehr relevant. Wenn jemand sie aufnahm, sollten sie nicht, sobald jemand mit einem schöneren Haus oder einem reicheren Tisch sie stattdessen einlädt, das Haus wechseln. Es sollte kein Wettbieten geben.7 Wenn sie das Nötigste bekommen hatten, um dort ihre Aufgabe verrichten zu können, war ihre Aufgabe des Verkündigens und Heilens das Einzige, das sie darüber hinaus beschäftigen sollte.
Auch wenn Jesus verspricht, dass der Arbeiter seines Lohnes wert ist – d. h., dass Gott für sie sorgen wird –, gibt er ihnen auch gleich mit, dass es nicht überall einfach wird. Es wird Städte geben, die sie ablehnen.
Der Vergleich zu Sodom ist hier interessant. Zum einen ist Sodom das Bild für Sünde, Unrecht und auch Gericht Gottes schlechthin in der jüdischen Kultur. Es gibt jedoch auch eine bemerkenswerte Ähnlichkeit: Auch nach Sodom kam eine Gruppe von zwei Männern, und sie wurden von Lot aufgenommen. Eine Stadt, die zwei ohne Proviant wandernde Männer nicht aufnehmen würde, wäre demnach noch weniger gastfreundlich als Sodom, da dort zumindest noch ein Lot wohnte.
Anwendung
Jesus erwartete von seinen Jüngern, dass sie in ihrer Mission das Vertrauen in Gott, das sie verkündigten, auch in ihren Taten widerspiegelten. Betrachte einmal dein eigenes Leben und überlege, was die Menschen um dich herum sehen. Die Bibel fordert nicht, dass wir völlig asketisch leben. Hier war der Auftrag für eine bestimmte Missionsreise gegeben;8 in späteren Fällen gab Jesus auch ganz andere Anweisungen. Dennoch ist es wertvoll, zu reflektieren, was unser Leben und unser Umgang mit Gütern widerspiegelt. Sieht man bei dir, dass du in der Hoffnung auf das Königreich Gottes und auf die Neue Erde lebst, oder sieht dein Leben genauso materiell und irdisch aus wie bei deinen ungläubigen Nachbarn und Kollegen?
Fragen zum Nachdenken
- Wie hätten Jesu Anweisungen aussehen können, wenn er heute mit seinen Jüngern in Deutschland unterwegs wäre?
- Wie findet man heraus, wer es wert ist, bei ihm einzugehen?
- Was meinte Jesus in diesem Kontext mit „der Arbeiter ist seines Lohnes wert“? Passt die heutige Verwendung des Spruches zu Jesu Intention, oder ist er zu etwas anderem geworden?
Quellen
- Vgl. James A. Brooks, Mark, Bd. 23 of The New American Commentary (Nashville: Broadman & Holman Publishers, 1991), 101.↩︎The word translated “tunic” usually refers to the inner garment, but here the second tunic may in fact be the outer garment that could double as a blanket. If so, the disciples were to depend upon their hosts for bedding and other necessities.
- H. Roos, „Schuh“, in Calwer Bibelatlas (Bellingham, WA: Logos Bible Software, 2025), 673.↩︎Da das Schnüren der Sandalen beim An- und Ausziehen mühsam und schmutzig war, überließ man dies oft den Sklaven.
- Gerhard Maier, Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 1–14, hg. von Gerhard Maier u. a., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2015), 567–568.↩︎Bekräftigt wird dies durch den vierten Verzicht, den Mt 10,10 ausspricht: den Verzicht auf einen Stab (ῥάβδον [rhabdon]). Das griech. ῥάβδος [rhabdos] kann mit „Rute“, Stab, Stock oder Zepter übersetzt werden, in Mt 10,10 wohl am ehesten mit Stab. Gemeint wäre dann der Wanderstab, den man bei weiten Wanderungen benutzte. Auch hier sollen also die Jünger nicht auf menschliche Mittel, sondern auf den HERRN vertrauen, der selbst ihr „Stecken und Stab“ ist (Ps 23,4). Möglich ist aber auch eine andere Deutung. ῥάβδος [rhabdos] könnte nämlich in Mt 10,10 auch den „Stock“ bezeichnen, mit dem man im Orient die wilden Hunde fernhielt. Dann müssten die Apostel auf den Schutz des Herrn vertrauen, weil sie selbst keine eigenen Waffen besitzen. Beide Deutungen sind sinnvoll und müssen nebeneinander stehen bleiben. Schlatter hat auf einen wesentlichen Punkt hingewiesen: „Es soll an den Jüngern sichtbar sein, daß die Gaben, die sie dem Volk anbieten, einer anderen Welt angehören als Geld und Kleider, weshalb sie das Herz von der irdischen Sorge frei machen.“
- Vgl. Walter L. Liefeld, „Luke“, in The Expositor’s Bible Commentary: Matthew, Mark, Luke, hg. von Frank E. Gaebelein (Grand Rapids, MI: Zondervan Publishing House, 1984), 918.↩︎The instructions indicate the urgency of the task. The severely limited provisions Jesus allows the Twelve to take with them may be intended to express their dependence on God alone. Without bread or money they would need to be given daily food. The forbidden “bag” (pēra) may be the kind frequently used by itinerant philosophers and religious mendicants for begging (cf. Notes). The disciples are learning to trust God for food, protection, and shelter.
- W. D. Davies und Dale C. Allison Jr., A critical and exegetical commentary on the Gospel according to Saint Matthew, Bd. 2 of International Critical Commentary (London; New York: T&T Clark International, 2004), 171.↩︎Preaching a kingdom ‘not of this world’, they have unloosed their ties to the present age. They are to be ‘like slaves that minister to the master not for the sake of receiving a bounty’ (m. ˒Abot 1:3).
- Craig S. Keener, Matthew, Bd. 1 of The IVP New Testament Commentary Series (Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1997), Mt 10,8–10.↩︎Jesus here forbids the normal basic apparatus for travel. By prohibiting a bag (Mt 10:10; Mk 6:8) Jesus forbids begging, the survival method of the otherwise almost equally simple Cynics (Meeks 1986:107).
- Gerhard Maier, Das Evangelium des Matthäus: Kapitel 1–14, hg. von Gerhard Maier u. a., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2015), 569–570.↩︎Die zweite Hälfte von V. 11 birgt wieder eine Überraschung: Und dort bleibt, bis ihr fortgeht. Die Apostel sollen also nicht von Haus zu Haus ziehen, auch wenn sie freundlich eingeladen oder dringlich aufgefordert werden. Das eine, erste Haus soll ihr festes Standquartier bleiben. Dadurch wird der Wettbewerb um ihre Gunst im Keim erstickt. Man denke an Jesu eigene Praxis: In Kapernaum blieb er im Petrus-Haus, statt in verschiedene Häuser herumzuziehen. Mit dem bleiben setzt Jesus einen kräftigen Akzent gegen wandernde Rabbis und Philosophen.
- Hans F. Bayer, Das Evangelium des Markus, hg. von Gerhard Maier u. a., 3., korrigierte Auflage., Historisch-Theologische Auslegung Neues Testament (Witten; Giessen: SCM R.Brockhaus; Brunnen Verlag, 2018), 246.↩︎Die Bedingungen, die Jesus seinen Jüngern auferlegt, sind spezifisch auf die bevorstehende Aufgabe ausgerichtet. Sie können nicht ohne Weiteres auf die allgemeine Nachfolge Jesu ausgeweitet werden, weil Jesus diesbezüglich keinerlei Aussagen macht.

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