Genesis 10,1–14

Eigene Übersetzung

  1. Und dies sind die Nachkommen der Söhne Noahs, Sem, Ham und Jafet. Ihnen wurden nach der Flut Söhne geboren.
  2. Die Söhne Jafets: Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und Tiras.
  3. Und die Söhne Gomers: Aschkenas, Rifat und Togarma.
  4. Und die Söhne Jawans: Elischa und Tarsis, die Kittäer und die Dodaniter.
  5. Von diesen trennten sich die Inseln der Nationen in ihren Ländern, ein jeder nach seiner Sprache, nach ihren Sippen, in ihren Nationen.
  6. Und die Söhne Hams: Kusch, Mizrajim, Put und Kanaan.
  7. Und die Söhne Kuschs: Seba, Hawila, Sabta, Ragma und Sabtecha. Und die Söhne Ragmas: Saba und Dedan.
  8. Und Kusch zeugte Nimrod; der war der, der begann, ein Held auf der Erde zu sein.
  9. Er war ein Jagdheld vor Jahwe; deshalb sagt man: Wie Nimrod, ein Jagdheld vor Jahwe.
  10. Der Anfang seines Königreichs war Babel und Erech und Akkad und Kalne im Land Schinar.
  11. Von diesem Land ging er nach Assur aus und baute Ninive und Rehobot-Ir und Kelach
  12. und Resen zwischen Ninive und Kelach: das ist die große Stadt.
  13. Und Mizrajim zeugte die Luditer, die Anamiter, die Lehabiter und die Naftuhiter,
  14. die Patrositer und die Kasluhiter, aus denen die Philister hervorgegangen sind, und die Kaftoriter.
  15. Und Kanaan zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen, und Het
  16. und den Jebusiter und den Amoriter und den Girgaschiter
  17. und den Hewiter und den Arkiter und den Siniter
  18. und den Arwaditer und den Zemariter und den Hamatiter. Und später haben sich die Sippen der Kanaaniter zerstreut.
  19. Und die Grenzen der Kanaaniter erstrecken sich von Sidon bis nach Gerar, bis nach Gaza, bis nach Sodom, Gomorra, Adma und Zebojim, bis nach Lescha.
  20. Dies sind die Söhne Hams nach ihren Sippen, nach ihren Sprachen, in ihren Ländern, in ihren Nationen.

Kommentar

Wieder ein Geschlechtsregister. Als Erstes wird Jafets Nachkommenschaft aufgezählt, dessen Segen beinhaltete, dass ihm das Land weit gemacht wird.

Hierbei fällt auf, dass viele der Namen Völker bezeichnen, die uns später in der Bibel wieder begegnen. Die meisten dieser Völker bevölkerten die Küstenregionen verschiedener Länder und die nördlichen Länder.

Während es für uns primär Namen sind, die uns vielleicht nicht mehr viel sagen, wird für die ursprünglichen Leser ein klares Bild gezeichnet worden sein, woher die ihnen bekannten umliegenden Völker stammen.

Dabei geht es spezifisch genau um diese Völker, die Israel kannte. Die Bevölkerung Amerikas und Australiens oder anderer weit von Israel entfernter Länder werden wir hier nicht finden – weil sie für die Israeliten schlicht nicht relevant waren.

Logisch wäre anzunehmen, dass diese weiter entfernten Länder auch erst etwas später bevölkert wurden, als die Erde sich wieder weiter füllte.

Besonders hervorgehoben in dem Stammbaum wird Nimrod, ein großer Krieger, Herrscher und Städtebauer.1 Zudem gibt es Theorien, dass Nimrod als Gott Merodach verehrt wurde,2 und dass der Stern Sirius als seine göttliche Verkörperung gesehen wurde.3 Andere sahen ihn in Verbindung mit dem Sternbild Orion.4

Wenn das stimmt, war Nimrod ein sich gegen Gott auflehnender Machthaber, laut Josephus sogar der Bauer des Turms von Babel. Die Theorie, dass er vergöttert wurde und ein Gegner Gottes war, findet man heute vermehrt im Internet. Vielleicht hast du dazu auch schon ein Video gesehen.

Ein bisschen eigenartig dazu ist, dass er als Jagdheld vor Jahwe bezeichnet wird. Dass hier der Gottesname auftaucht, der normalerweise im Bezug auf Beziehung und Bund mit ihm erscheint, ermöglicht auch ein anderes Bild. Es kann auch sein, dass gerade dieses Wort darauf hinweisen soll, dass er ein gottesfürchtiger Mann war,5 der zwar Städte gebaut und Länder gegründet hat, die später zu Gegnern Israels wurden, er selbst jedoch gerecht war.

Tatsächlich nennt der Text ja nichts direkt, was Nimrod getan hätte, das per se als böse identifiziert werden kann.

Es ist jedoch auch möglich, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Vielleicht war Nimrod ein gerechter, gottesfürchtiger Mann, der sich zu Lebzeiten nicht hat vergöttern lassen, der jedoch später durch Legenden über ihn irgendwann den Status eines Gottes gewann.

Das wäre dann vergleichbar mit vielen Heiligen der katholischen Kirche, die wahrscheinlich niemals damit einverstanden gewesen wären, dass an sie Gebete gerichtet werden, die aber natürlich keinen Einfluss darauf hatten, was nach ihrem Tod mit ihnen geschah.

Die Nachfahren Hams besiedelten dann Afrika und den Nahen Osten. Hier tauchen wieder einige Namen auf, die uns später in der Bibel wieder begegnen, wie Mizrajim (Ägypten), die Jebusiter, die Amoriter und die Hetiter.

Wir wissen jedoch nicht, ob die Kinder wirklich so hießen. Hier scheint es mehr um die allgemeine Abstammung zu gehen als um die Erhaltung der Namen einzelner Menschen. Zum Beispiel erscheint es eigenartig, dass hier einer Mizrajim genannt wird – das ist der Name Ägyptens, ein Wort im Dual, vermutlich weil es sich auf das zweigeteilte Ägypten bezieht, das aus Ober- und Unterägypten besteht. Dass auch das Kind, das später Stammesvater eines zweiteiligen Landes wird, einen Namen im Dual getragen haben soll, wirkt sehr ungewöhnlich. Es geht also darum, woher wer stammt und wie die Welt bevölkert wurde, nicht unbedingt um den exakten Wortlaut des Namens.


Fragen zum Nachdenken

  1. Welche Bedeutung hat die Abstammungsgeschichte für uns?
  2. Zwischen Vers 14 und 15 gibt es einen kleinen Abstand im hebräischen Text. Warum könnte das so sein?
  3. Wie können wir – im Positiven – mit dem Namen Gottes in Verbindung gebracht werden, wie Nimrod es wurde?

Quellen

  1. D. J. Wiseman, „Nimrod“, in New Bible dictionary, hg. von D. R. W. Wood u. a. (Leicester, England; Downers Grove, IL: InterVarsity Press, 1996), 825.
    NIMROD. The name of the son of Cush, an early warrior, or hero (gibbōr), who lived in Babylonia, where his kingdom included Babylon, Erech and Akkad (Gn. 10:8–10; 1 Ch. 1:10). He was father or founder of Nineveh and Calah in Assyria (Gn. 10:11) and was famous as a hunter (v. 9). The land adjacent to Assyria was later referred to as the ‘land of Nimrod’ (Mi. 5:6).
    His name is perpetuated in several place-names, including Birs Nimrud, SW of Babylon, and Nimrud in Assyria (*Calah). This, with the legends concerning him preserved in Sumerian, Assyr. and later literature, implies a wider basis in the tradition than is provided in Genesis. Many scholars therefore compare him with Sargon of Agade, c. 2300 bc, who was a great warrior and huntsman and ruler of Assyria. He led expeditions to the Mediterranean coast and into S Anatolia and Persia, and the splendour of his age and achievements led to its being recalled as a ‘golden age’. Since only the throne-name of Sargon is known, it is possible that he bore other names. Others see in Nimrod exploits attributed to such early rulers as Naram-Sin of Agade, Tukulti-Ninurta I of Assyria (Eretz Israel 5, 1958, pp. 32*–36*); or deities as Ninurta (Nimurda), the Bab. and Assyr. god of war, and the hunter, or Amarutu, the Sumerian name of the god Marduk. No certain identification is yet possible.
    ↩︎
  2. Theophilus Goldridge Pinches, „NIMROD“, in A Dictionary of the Bible: Dealing with Its Language, Literature, and Contents Including the Biblical Theology, hg. von James Hastings u. a. (New York; Edinburgh: Charles Scribner’s Sons; T. & T. Clark, 1911–1912) 552.
    There was then no alternative but to fall back upon the suggestion, made by Josef Grivel (TSBA iii. 136 ff.) in 1874, that Nimrod is none other than the god Merodach. Little need exists to go through all Grivel’s reasons for supposing that the two were identical, many of these being untenable; but it may be noted that his view was based primarily upon the likeness he had noticed between the shorter form of the name of Merodach in Accadian and the biblical Nimrod. Notwithstanding the difference that appears to exist between these two names, it is certain that they are very closely related.
    ↩︎
  3. Clements, „כּוֹכָב“, in Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, hg. von G. Johannes Botterweck, Helmer Ringgren, und Heinz-Josef Fabry (Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz: Verlag W. Kohlhammer, 1982) 82.
    Der Stern Sirius erfreute sich als Verkörperung des Gottes Ninurta (Nimrod) – Schutzherr der Jagd – ebenfalls eines großen Ansehens. Andere Sterne und Planeten werden mit anderen Gottheiten verbunden: von ihnen soll der Planet Mars erwähnt werden, welcher mit dem Gott Nergal, dem Herrn der Unterwelt, identifiziert wurde; der Planet Saturn wurde vornehmlich mit dem Schutz von Gerechtigkeit und Recht assoziiert. Die Plejaden wurden als Siebengestirn verehrt.
    ↩︎
  4. John M’Clintock und James Strong, „Nim′rod“, in Cyclopædia of Biblical, Theological, and Ecclesiastical Literature (New York: Harper & Brothers, Publishers, 1894) 108.
    The later Oriental traditions enlarge this account. Josephus (Ant. i, 4, 2 sq.) identifies Nimrod with the builder of the tower of Babel, which he represents as an act of blasphemous impiety. This arises from the old etymology of the name (as if from מָרַד, to rebel; Gesen. Thesaur. s. v.), and agrees with the remarkable fact that, according to the Persian astrology (Chron. Pasch. p. 36; Cedren. Hist. p. 14 sq.; comp. Hyde, Ad Ulugbeigh, p. 44 sq.), the constellation of the Giant—that is, Orion (q. v.)—was named from Nimrod; and some have identified Nimrod with the Greek Orion (comp. Movers, Phön. p. 471; Baur, Amos, p. 351), who was also a giant (Odys. xi, 309 sq.; comp. Il. xviii, 486, σθένος Ὠρίωνος; Hesiod, Works and Days, 580, Pliny, vii, 16) and a mighty hunter (Odys. xi, 574). The Hebrew kesil′ (כְּסִיל) is rendered Orion (Isa. 13:10; Job 38:31) by the Syriac and the Sept. The word means a fool, an impious person, applied naturally to a proud blasphemer; and the chains or “bands of Orion” (Job 38:31) may be explained in the same way (see Michael. Spicel. i, 209 sq.; Suppl. p. 1319 sq.; comp. Gesen. Comment. on Isa. i, 458 sq.). All we know of him serves to place Nimrod in the earliest period of Asiatic antiquity, and he cannot be regarded as a mere astronomical figure.
    ↩︎
  5. J. H. A. Ebrard, Apologetics: Or, the Scientific Vindication of Christianity, übers. von William Stuart und John Macpherson, Bd. 2 of Clark’s Foreign Theological Library, New Series (Edinburgh: T. & T. Clark, 1886–1887), 315.
    Nor is he at all represented as one who defied God. It is rather hinted—and that, indeed, not first by the transcriber of the Table of Nations, but already in a proverb which he found current—that Nimrod גבור ציד לפני־יהוה, in the original form of the proverb it had probably been written לפני־אלהים. The words, before God, intimate either (Gen. 17:1; Ps. 56:13, etc.) that an action of the man, according to its subjective quality, is one done in the consciousness of the omnipresent nearness of God, therefore a God-fearing action, or (Gen. 6:11, 19:13; Hos. 7:2; comp. Jer. 16:17) that a human action, according to its objective quality, is such that God cannot remain indifferent to it, but must judge and punish. Had the words לפני־יהוה stood in the 11th verse, they would have been at once understood in the latter sense.
    ↩︎

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