Genesis 5,1-5

Eigene Übersetzung

  1. Dies ist das Buch der Nachkommen Adams. Am Tag, als Gott Adam geschaffen hat, machte er ihn Gott ähnlich.
  2. Männlich und weiblich hat er sie geschaffen und sie gesegnet und ihren Namen Adam genannt, am Tag, an dem er sie geschaffen hat.
  3. Und Adam lebte einhundertdreißig Jahre und zeugte einen Sohn ihm ähnlich, in seinem Bild. Und er nannte seinen Namen Set.
  4. Und die Tage Adams, nachdem er Set gezeugt hatte, waren achthundert Jahre, und er zeugte Söhne und Töchter.
  5. Und alle Tage Adams, die er lebte, waren neunhundertdreißig Jahre, und er starb.

Kommentar

Das Wort Nachkommen (תּוֹלְדוֹת / Toledot) wird in Genesis zur Strukturierung verwendet. Meist leitet es eine Geschlechterfolge von Nachkommen ein. Diese Toledot tauchen immer am Ende der Geschichte einer Person zum Übergang zur nächsten Geschichte auf,1R. K. Harrison, „Genesis“, in The International Standard Bible Encyclopedia, Revised, hg. von Geoffrey W Bromiley (Wm. B. Eerdmans, 1979–1988) 436. eine ähnliche Strukturierung findet sich auch auf vielen Tontafeln anderer nahöstlicher Völker.2Arend Remmers, Die Bibel im Überblick, leicht bearbeitete Auflage. (Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 2016), 77.

Vom Bild Gottes geht es in das Bild des (gefallenen Menschen). Es ist schon eine erstaunliche Fähigkeit, die Gott den Menschen gegeben hat, weitere kleine Menschen in seinem eigenen Bild zu „schaffen“.

Mit dem Namen Adam (אָדָם) gibt es hier einen eigenartigen Wechsel. Es ist zugleich der Name des ersten Menschen als auch die Bezeichnung – ähnlich unserem Wort „Mensch“. So spricht der Text im ersten Vers von der Person, im zweiten von der Menschheit und dann wieder von der Person – und jedes Mal steht das gleiche Wort: Adam.

Hier gibt es wieder – wie in der Schöpfung – nichts, das männlich und weiblich unterscheidet, außer eben ihr Geschlecht. Die Hierarchie zwischen Mann und Frau in der Ehe wurde nur als Folge des Sündenfalls gegeben.

Für jemanden, der diese Geschichte zum ersten Mal hört, müssen die Zahlen enorm wirken. Mit 130 Jahren einen Sohn gezeugt und dann noch weitere 800 Jahre gelebt? Astronomische Zahlen für uns, bei denen 130 Jahre Leben schon absoluter Weltrekord wären (der am besten dokumentierte moderne Mensch wurde gerade einmal 122 Jahre und 164 Tage alt)3https://de.wikipedia.org/wiki/Älteste_Menschen.

Das war nach dem biblischen Bericht auch schon zur Zeit Mose so. Mose selbst war mit 120 Jahren ziemlich alt für seine Zeit; er hätte um die Zeit herum sicher keine Kinder mehr gezeugt oder gar weitere 800 Jahre gelebt.

Wie muss es wohl gewesen sein, über 900 Jahre alt zu werden? Sich bei jedem Leid, das man sieht, daran zu erinnern, dass man es selbst in die Welt gebracht hat? Alle Menschen, denen man begegnet, sind die eigenen Kinder, Enkel, Urenkel usw.

Er war fleißig im Sich-Vermehren und füllte die Erde mit seinen Söhnen und Töchtern. Dennoch endete alles mit seinem Tod – dem Tod, der die Konsequenz seiner Sünde war.

Heute ist der Tod eine Realität, mit der wir alle leben müssen. Und mit einer Lebenserwartung von rund 80 Jahren4https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/_inhalt.html ist er uns ständig viel näher als er  Adam war. Und wenn er kommt, sind wir einfach weg. Wir können mit der Hoffnung auf die Auferstehung sterben oder ohne diese Hoffnung, aber sterben werden wir sicher (falls Jesus nicht vorher wiederkommt).

Ich persönlich finde es extrem schwer, mir vorzustellen, irgendwann nicht mehr zu sein: nichts mehr mitzubekommen, nicht mehr zu denken, nicht mehr zu verstehen. Die meisten Dinge, die wir auf der Erde getan haben, haben für die meisten von uns dann nur noch marginale Bedeutung. Eine Weile bleiben wir vielleicht noch in der Erinnerung derer, die uns geliebt haben, doch auch das vergeht schnell.

Auch bei Adam ist es nicht anders. Wir wissen, wie er hieß, wir kennen seinen größten Fehler und wissen, dass er Kinder gezeugt hat. Sonst wissen wir nichts über ihn. Wie waren seine Gedanken? Was mochte er? Hatte er Humor? Über 900 Jahre Leben – heute reduziert auf ein paar Worte und eine Handvoll Taten aus den ersten Tagen seines Daseins…

Dass wir über so etwas nachdenken können, ist für mich ein Hinweis darauf, dass es jemanden gibt, der möchte, dass wir darüber nachdenken können – und der möchte, dass wir ihn kennenlernen können und erkennen, dass damit doch nicht alles zu Ende ist. Dass es nur ein Bruch, vielleicht eine Pause ist, bis es mit der Auferstehung weitergeht.


Fragen zum Nachdenken

  1. Wieso wird hier so betont, das der Mensch Kinder in seinem Bilde bekam?
  2. Wie muss es wohl gewesen sein, 900 Jahre in einer Welt zu leben, in der jedes Leid letztlich auf dich selbst zurückzuführen war?
  3. War der Tod für Adam ein tragisches Ende – oder auch eine Art Erlösung?
  4. Mit welchen Gedanken blickst du auf dein eigenes Ende?

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