Genesis 19,14-22
Eigene Übersetzung
- Und Lot ging hinaus und sprach zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter nehmen sollten, und sagte: Steht auf und geht hinaus von diesem Ort, denn Jahwe wird die Stadt zerstören! Aber es war in den Augen seiner Schwiegersöhne, als würde er scherzen.
- Und als die Morgenröte aufstieg, da drängten die Engel Lot und sprachen: Steh auf, nimm deine Frau und deine zwei Töchter, die hier sind, damit du nicht weggerafft wirst in der Schuld der Stadt.
- Er aber zögerte. Da ergriffen die Männer seine Hand und die Hand seiner Frau und die Hand seiner beiden Töchter, weil Jahwe sich ihm erbarmen wollte, und führten ihn hinaus und ließen ihn außerhalb der Stadt.
- Und es geschah, als sie sie herausgeführt hatten, da sprach er: Bring dich in Sicherheit bezüglich deines Lebens, blicke nicht hinter dich und bleibe nicht stehen in der ganzen Umgebung. Auf das Bergland fliehe, damit du nicht weggerafft wirst.
- Da sprach Lot zu ihnen: Nicht so, Herr!
- Siehe doch, wenn dein Knecht Gunst in deinen Augen gefunden hat und du deine Gnade groß gemacht hast, die du an mir erwiesen hast, um meine Seele am Leben zu erhalten – doch ich kann nicht ins Gebirge fliehen, es könnte mich Unheil treffen, und ich sterbe.
- Siehe doch, diese Stadt ist nah genug, um dorthin zu fliehen, und sie ist klein. Ich könnte doch dorthin fliehen – ist sie nicht klein? Dann wird meine Seele am Leben bleiben.
- Und er sprach zu ihm: Siehe, auch in dieser Sache habe ich auf dein Anliegen Rücksicht genommen, dass ich die Stadt, von der du sprichst, nicht zerstören werde.
- Schnell, fliehe dorthin! Denn ich kann nichts tun, bis du dort angekommen bist. Deshalb nennt man den Namen der Stadt Zoar.
Personen
Lot (לוֹט) – Schekel (Gewicht für Edelmetalle)
Orte
Sodom (סְדֹם) – umschlossener Ort
Zoar (צוֹעַר) – klein
Gedanken zum Text
Ich denke, die potenziellen Schwiegersöhne kann ich gut verstehen. Wenn jemand zu mir käme und sagte, dass Gott diese Stadt morgen vernichten würde, würde ich es wohl auch für einen Scherz oder ein Hirngespinst halten.
Aber wir wissen ja nicht, wie sie charakterlich waren. Vielleicht waren sie etwas weniger böse als die anderen und in der Nacht nicht dabei gewesen – oder sie waren genauso, und Gott hat bewirkt, dass sie es nicht ernst nahmen.
Dann sehen wir zwei weitere Probleme, die Lot hat. Zum einen zögert er – ganz anders als Abraham, von dem es heißt, dass er früh aufsteht, um Gottes Anweisungen auszuführen (z. B. als er aufgefordert wurde, seinen Sohn zu opfern).
Zum anderen sehen wir einen Unglauben. Engel kommen zu ihm, um ihn zu retten und aus Sodom herauszuholen, und doch fürchtet er sich davor, dort umzukommen, wohin sie ihn schicken.
Statt nach einer kleineren Stadt zu fragen, hätte er auch sagen können: Ich habe Angst, in den Bergen umzukommen. Versichert ihr mir dort den Schutz Jahwes?
Oder er hätte – was wohl noch besser gewesen wäre – zu Abraham fliehen können. Viel Besitz hatte er wohl nicht mehr.
Dabei stellt sich tatsächlich die Frage: Was ist mit all dem Besitz und seinen Knechten geschehen? Als er sich von Abraham trennte, hatten sie so viel Besitz, dass sich ihre Hirten (!) stritten. Jetzt wird keine Herde und kein Hirte mehr erwähnt.
Fragen zum Nachdenken
- Wie gehen wir mit Botschaften um, die so unwahrscheinlich scheinen? Wie stellen wir sicher, dass wir wichtige Warnungen ernst nehmen, ohne auf jeden Scherz hereinzufallen?
- Passiert es uns auch, dass wir, obwohl wir Gottes Schutz und Leitung sehen, nicht auf seinen weiteren Schutz vertrauen?
- Was lernen wir über Gott, wenn wir hier die Reaktion der Engel betrachten?