Genesis 3,17–21

Eigene Übersetzung

  1. Und zum Mann sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten habe: „Iss nicht von ihm!“, soll der Erdboden um deinetwillen verflucht sein. In Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens.
  2. Und Dornen und Disteln wird er dir hervorbringen, und du wirst das Kraut des Feldes essen.
  3. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst; denn von ihm bist du genommen. Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.
  4. Und Adam gab seiner Frau den Namen Eva, denn sie wurde die Mutter aller Lebenden.
  5. Und JHWH, Gott, machte für Adam und seine Frau Gewänder aus Fell und bekleidete sie.

Kommentar

Der Fluch für den Mann ist relativ klar formuliert: Seine (Feld-)Arbeit wird beschwerlich, und er wird sterben.

Unkraut erschwert die Feldarbeit. Während wir heute zuerst an Löwenzahn oder Brennnesseln denken, ist die Vorstellung im alten Israel anders: Ohne beständige Pflege breitet sich dort überall hartnäckiges Dornengestrüpp aus. Diese Pflanzen wirken zwar teilweise ästhetisch, sind aber aufgrund ihrer Dornen schwer zu durchdringen und äußerst hinderlich beim Anbau von Feldfrüchten.

Arbeit selbst ist nichts Neues. Schon im Garten Eden hatte der Mensch den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren. Allerdings war die Arbeit dort offenbar weniger mühsam und nicht schweißtreibend. Nun aber steht der Mensch einer widerspenstigen Erde gegenüber.

Auffällig ist auch, dass schon in der nächsten Generation eine Entwicklung sichtbar wird: Einer der beiden Söhne Adams wird Feldarbeiter, der andere Hirte. Auch das Hirtenwesen war keineswegs leicht, aber vermutlich weniger schweißtreibend als die Feldarbeit – wenn auch ebenfalls von Dornen und unwegsamem Land geprägt.

Nach einem beschwerlichen Leben endet das Dasein schließlich im Tod. Der Text impliziert, dass der Mensch seine Mühen bis zu seinem Tod tragen wird – eine Rente existierte damals nicht.

Der Abschnitt endet jedoch mit einem Akt göttlicher Fürsorge: Gott macht Adam und Eva Bekleidung aus Fell. Dies zeigt, dass Gott trotz der Konsequenzen des Sündenfalls weiterhin für den Menschen sorgt. Er verflucht nicht den Menschen selbst, sondern den Erdboden, und verschiebt die sofortige Konsequenz des Todes. Der Mensch erlebt nun die Härte einer gefallenen Welt, die ihn an seine verlorene Stellung erinnert und zugleich seine Sehnsucht nach dem angekündigten Erlöser vertieft.

Auch heute empfinden Menschen die Mühen und das Leid des Lebens als schwer und sehnen sich nach Frieden – oftmals ohne zu wissen, dass diese Sehnsucht ihren Ursprung in dem verlorenen Garten hat und auf die zukünftige Wiederherstellung verweist.


Fragen zum Nachdenken

  1. Ist schweißtreibende Arbeit grundsätzlich gut für den Menschen, oder ist es legitim, der Mühsal so weit wie möglich zu entkommen?
  2. Wie erklärst du dir, dass schon eine Generation später der Gerechtere kein Feldarbeiter war (Gen 4,2)?
  3. Was können wir tun, damit uns die Mühen und Schmerzen der gefallenen Welt nicht in Verzweiflung führen, sondern unsere Sehnsucht nach Gott und seinem Erlöser stärken?

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