Genesis 46,28-34

Eigene Übersetzung

  1. Und er sandte Juda vor sich zu Joseph, um ihm zu lehren vor ihm nach Goschen. Und sie kamen ins Land Goschen.
  2. Und Joseph spannte seinen Wagen und zog hinauf nach Goschen, um Israel, seinen Vater, zu begegnen; und er sah zu ihm und fiel an seinen Hals und weinte wiederum an seinem Hals.
  3. Und Israel sprach zu Joseph: Jetzt kann ich sterben, nachdem ich deinen Sohn gesehen habe, dass du noch lebst.
  4. Und Joseph sprach zu seinen Brüdern und zum Haus seines Vaters: Ich werde hinaufziehen, um Pharao zu berichten und zu ihm sagen: „Meine Brüder und das Haus meines Vaters, die im Land Kanaan waren, sind zu mir gekommen.“
  5. Und die Männer sind Schafhirten, denn sie sind Männer von Viehbesitz, und ihr Kleinvieh und Rindvieh und alles, was ihnen gehört, haben sie gebracht.
  6. Und es wird geschehen, dass Pharao euch rufen wird und sprecht: Was ist eure Tätigkeit?
  7. Dann sprecht: Deine Knechte sind Männer der Viehzucht, von Jugend an bis jetzt. Sowohl wir als auch unsere Väter, damit ihr im Land Goschen wohnt, denn alle Schafhirten sind den Ägyptern etwas Abschäuliches.

Gedanken zum Text

Grammatisch sind ein paar Stellen im Hebräischen Text etwas herausfordernd. Deswegen habe ich es auch etwas eigenartig übersetzt.

Vor allem Vers 28 klingt auch im Hebräischen eigenartig. Es ist nicht ganz klar, was Judas Aufgabe war, es ist nicht ganz das, was man erwarten würde, wenn der Text sagen würde, er soll den Weg nach Goschen lehren. Vermutlich ist das gemeint (wie auch die meisten Übersetzungen daraus machen), aber es ist nicht ganz eindeutig. Vielleicht ist es einfach eine seltene grammatische Konstruktion; ich vermute, dass es auch einfach ein Abschreibfehler sein könnte, denn das Eigenartige kommt durch die Wiederholung eines hebräischen Wortes. Wörtlich steht da: „Und Juda sandte er vor seinem Angesicht zu Joseph, ihn zu lehren vor seinem Angesicht nach Goschem…“ Vielleicht hätte statt dem zweiten „vor seinem Angesicht“ etwas anderes stehen sollen, oder es wäre einfach weggefallen.

Ein alternativer Text sagt statt „lehren“ „erscheinen“, könnte also auch statt den Weg zu lehren heißen: „Er sandte Juda vor sich her nach Goschen, um vor ihm zu erscheinen.“

Hier ist sicher keine tiefe biblische Wahrheit versteckt, und es ändert sich nicht wirklich etwas an der Geschichte, wenn man eine andere Bedeutung hier annimmt als die großen deutschen Übersetzungen. Wenn man die Geschichte einfach lesen möchte, ist die korrigierte/klarere Übersetzung der meisten Übersetzungen sicher angenehmer. Ich persönlich fände es jedoch – zumindest zum Studium – gut, wenn Unklarheiten im Text auch in der Übersetzung bleiben würden, damit man selbst darüber nachdenken kann, was hier wohl passiert und ob es relevant ist.


Fragen zum Nachdenken

  • Wann ist eine Bibelübersetzung, die angenehm zu lesen ist, besser? Wann ist (falls überhaupt) auch eine Bibelübersetzung besser, die bewusst Unklarheiten und Schwierigkeiten des Urtextes so weit wie möglich weitergibt?
  • Warum hatten die Ägypter Probleme mit Schafhirten?
  • Wieso hatten sie auch in einer Hungersnot noch so große Herden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert