Matthäus 4,18-22
Eigene Übersetzung
- Als er aber am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird und Andreas seinen Bruder, die Warfen ihre Netze in den See, denn sie waren Fischer.
- Und er sprach zu ihnen: Kommt mir nach! und ich werde euch zu Menschenfischern machen.
- Und sie verließen sogleich ihre Netze und folgten ihm.
- Und er ging von dort weiter und sah zwei Brüder, Jakobus, den des Zebedäus und Johannes seinen Bruder im Boot mit ihrem Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze repatriierten und er rief sie.
- Sie aber ließen sofort ihr Boot und ihren Vater zurück und folgten ihm.
Kommentar
Es handelt sich um eine vergleichsweise kurze Episode, in der das Leben von vier Menschen nachhaltig und unwiderruflich verändert wird.
Wahrscheinlich kannten diese Männer Jesus bereits zuvor. Die Vorstellung, dass ein ihnen völlig Unbekannter an den See tritt und sie spontan zur Nachfolge auffordert, erscheint eher unwahrscheinlich.1 Ebenso ist es gut möglich, dass zumindest einige von ihnen Jesus bereits im Zusammenhang mit dem Dienst Johannes’ des Täufers am Jordan begegnet waren.2
Dennoch bleibt diese Situation von herausragender Bedeutung. An diesem Tag beginnt Jesus, seine Jüngerschaft im engeren Sinne aufzubauen. Er ruft die Männer, die das besondere Vorrecht haben werden, die kommenden Jahre unmittelbar von ihm unterwiesen zu werden, seine Wunder mitzuerleben und Zeugen seines Wirkens zu sein.
Dass sie Jesus vermutlich bereits kannten, schmälert die Radikalität ihrer Entscheidung keineswegs. Die Berufung des Petrus wird in Lukas 5 ausführlicher geschildert; dort wird auch deutlich, dass Jesus bereits zuvor in ihrem Umfeld gewirkt hatte, unter anderem durch die Heilung der Schwiegermutter des Petrus. Sie folgten ihm also nicht völlig unvorbereitet. Dennoch bleibt festzuhalten, dass diese Männer ein bestehendes Leben hinter sich ließen: ein für ihre Zeit vergleichsweise sicheres Einkommen, familiäre Bindungen und im Fall des Petrus auch eine Ehe.
Der biblische Bericht ist stark komprimiert. Einige Ausleger gehen davon aus, dass die Jünger in der Folgezeit zeitweise auch wieder in ihre früheren Berufe zurückkehrten und Jesus dann erneut begleiteten. Der Text selbst lässt hierfür zumindest Raum.
Unstrittig ist jedoch, dass ihr Leben nach dieser Entscheidung nie wieder dasselbe war. Über einen Zeitraum von etwa dreieinhalb Jahren zogen sie mit dem größten Lehrer, den die Welt je gesehen hat, durch das Land, lernten von ihm und erlebten Dinge, die ihr Verständnis von Gott, Mensch und Welt grundlegend veränderten. Schließlich mussten sie erleben, diesen Lehrer zu verlieren – und ihn in der Auferstehung wiederzugewinnen.
Mindestens zwei dieser vier Männer, Jakobus3 und Petrus4, wurden später auf gewaltsame Weise getötet, weil sie die Botschaft Jesu in eine Welt hinein verkündigten, die für diese Botschaft noch nicht bereit war.
Und doch verkündigten sie eine Botschaft von außergewöhnlicher Hoffnung und Schönheit. Manche mögen meinen, diese Männer hätten ihr Leben weggeworfen. Ich bin jedoch überzeugt, dass es all dies wert war. Denn die Botschaft, für die und mit der sie starben, war die, dass Gott Versöhnung und ewiges Leben anbietet und dass der Tod nicht das Ende der Geschichte ist, sondern nur die Vorbereitung auf das Wiedersehen mit jenem Lehrer am See, den sie so sehr liebten.
Fragen zum Nachdenken
- Was bedeutet die Hoffnung dieser Fischer für dich heute?
- Wärst du bereit gewesen, alles aufzugeben, um mit diesem Rabbi die staubigen Wege Galiläas zu gehen?
- Was gibt es in unserem Leben aufzugeben – und wann lohnt sich dieser Schritt?
Quellen
- John A. Martin, „Luke“, in The Bible Knowledge Commentary: An Exposition of the Scriptures, hg. von J. F. Walvoord und R. B. Zuck (Wheaton, IL: Victor Books, 1985), 216.↩︎The incident recorded here is obviously not the first time Jesus had been in contact with the men whom He called to be His disciples. Luke already had stated that Jesus had healed Simon’s mother-in-law which denotes previous contact with Simon and Andrew. This seems to be at least the third time Jesus had contact with these men. In John 1:41 Andrew told Peter that he had found the Messiah. Apparently the men at first did not follow Jesus on a “full-time” basis, for in Mark 1:16–20 (also Matt. 4:18–22) Jesus called Simon, Andrew, James, and John. Mark recorded that that call was before Jesus entered the synagogue in Capernaum and healed a man who was demon-possessed. It is no wonder Peter invited Jesus home after the synagogue incident.
- Theodor Zahn, Introduction to the New Testament, übers. von Melancthon Williams Jacobus (Edinburgh; London; New York: T&T Clark; Simpkin, Marshall, Hamilton, Kent and Co. Limited; Charles Scribner’s Sons, 1909), 189–190.↩︎When subsequently Jesus, because of the continued activity of the Baptist, abandoned His work in Judea and withdrew into Galilee and the quietness of private life, determined to await the further development of events (John 4:1–3, 43 ff.), His disciples went with Him and in all probability resumed for a time their usual occupations, until Jesus recognised the imprisonment of the Baptist (cf. John 5:35) as the signal for the resumption of His work, and summoned His disciples to share it.
- William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, übers. von Christiane Eichler, 7. Auflage. (Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 2018), 67.↩︎»Jakobus, der Sohn des Zebedäus.« Er wurde später von Herodes umgebracht (Apg 12,2) – er war der erste der Zwölf, der als Märtyrer starb.
- Gerhard Maier, Lukas-Evangelium, hg. von Gerhard Maier, Bd. 1 of Edition C Bibelkommentar Neues Testament(Holzgerlingen: Hänssler, 2007), 255.↩︎In Rom starb er als Märtyrer unter dem Kaiser Nero in den Vatikanischen Gärten. Über dem Grab dieses galiläischen Fischers und Apostels erhebt sich heute der Petersdom. Petrus hatte ein beinahe unglaubliches Leben unter der Führung Jesu (Joh 21,18f).

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