Genesis 31,26-43
Eigene Übersetzung
- Und Laban sprach zu Jakob: Was habe ich dir angetan, dass du mein Herz gestohlen hast und meine Töchter weggeführt hast wie mit dem Schwert Gefangene?
- Warum hast du es verborgen zu fliehen und von mir gestohlen und mir nicht berichtet? Dann hätte ich dich mit Freude weggeschickt und mit Gesängen, Tamburin und Zither.
- Und du hast mir nicht gelassen, meine Söhne zu küssen und meine Töchter. Nun, du hast töricht gehandelt in dem, was du getan hast.
- Es gäbe Macht in meiner Hand, euch Böses zu tun; doch der Gott eures Vaters hat gestern Nacht zu mir gesprochen: Hüte dich davor, mit Jakob Gutes oder Böses zu sprechen.
- Und nun, du bist gegangen, weil du dich nach dem Haus deines Vaters sehntest. Warum hast du meinen Gott gestohlen?
- Und Jakob antwortete und sprach zu Laban: Weil ich mich fürchtete, denn ich sagte, du würdest deine Töchter von mir rauben.
- Bei wem du deinen Gott findest, der soll nicht am Leben bleiben. Vor unseren Brüdern untersuche, was von dir bei mir ist, und nimm es dir. Und Jakob wusste nicht, dass Rahel ihn gestohlen hatte.
- Und Laban ging in das Zelt Jakobs und in das Zelt Leas und in das Zelt der zwei Mägde und fand nichts. Und er ging hinaus vom Zelt Leas und kam in das Zelt Rahels.
- Rahel aber hatte den Hausgötzen genommen und ihn in die Satteltasche des Kamels getan, und sie saß darauf. Und Laban durchsuchte das ganze Zelt und fand ihn nicht.
- Und sie sprach zu ihrem Vater: Mein Herr, sei nicht zornig, dass ich nicht vor dir aufstehen kann, denn es ist mir nach der Weise der Frauen. Und er durchsuchte, aber fand den Hausgötzen nicht.
- Da wurde Jakob zornig und stritt mit Laban. Und Jakob antwortete und sprach zu Laban: Was ist mein Verbrechen? Was meine Sünde, dass du so heftig hinter mir her bist?
- Da du alle meine Sachen durchforscht hast – was hast du gefunden von allen Geräten meines Hauses? Lege es hier vor meine Brüder und deine Brüder, und sie sollen zwischen uns beiden urteilen.
- Zwanzig Jahre war ich bei dir. Deine Mutterschafe und Ziegen haben nicht fehlgeboren, und die Widder deines Kleinviehs habe ich nicht gegessen.
- Zerrissenes habe ich dir nicht gebracht – ich musste es ersetzen. Von meiner Hand hast du es gefordert, sei es gestohlen bei Tag oder bei Nacht.
- So erging es mir: Am Tag versengte mich die Hitze und in der Nacht der Frost, und der Schlaf floh von meinen Augen.
- Diese zwanzig Jahre habe ich dir in deinem Haus gedient: vierzehn Jahre für deine zwei Töchter und sechs Jahre für dein Kleinvieh, und du hast meinen Lohn zehnmal verändert.
- Wenn der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams und der Schrecken Isaaks, nicht für mich gewesen wäre, dann hättest du mich jetzt leer weggeschickt. Mein Elend und die Arbeit meiner Hände hat Gott gesehen, und er hat gestern Nacht entschieden.
- Da antwortete Laban und sprach zu Jakob: Die Töchter sind meine Töchter, und die Söhne sind meine Söhne, und das Kleinvieh ist mein Kleinvieh, und alles, was du hast – siehe, es gehört mir! Aber was kann ich heute tun für diese meine Töchter oder für ihre Söhne, die sie geboren haben?
Gedanken zum Text
Interessant, dass Laban so ehrlich ist und – nachdem er behauptet, sie freundlich weggeschickt zu haben – doch zugibt, dass Gott ihm begegnen musste, damit er ihnen nichts Böses antut.
Es ist jedoch schön zu sehen, was für ein gutes Gewissen Jakob hatte. Er war sich sicher, dass Laban bei ihm nichts finden würde (er wusste ja nichts von Rahels Raub) und war bereit, sich durchsuchen zu lassen.
Wahrscheinlich haben auch die wenigsten von uns Geraubtes im Haus – aber haben wir ein so gutes Gewissen, dass wir jemanden unser Hab und Gut durchsuchen lassen würden, um es zum Zeugnis vor anderen zu machen? Wenn wir eine Polizei sehen, verändern wir unser Verhalten (oder Fahrstil) aus Angst – oder fahren und leben wir so, dass wir kein Problem damit hätten, unter ständiger Beobachtung zu sein?
Das, was Jakob als seine Arbeit beschreibt, erfordert wohl ein gewisses Verständnis für die Arbeit eines Hirten. Noch heute ist es in Israel so, dass nomadische Hirten oft für Monate im Sommer mit ihren Herden auf offenen Weiden leben – völlig den Elementen ausgesetzt.
Das bedeutet wohl auch, dass Jakob in dieser Zeit oft wochenlang seine Familie nicht gesehen hat. Schließlich haben wir zuvor gelesen, dass er die Herden getrennt hielt.
Dass Jakob gerissene Tiere selbst ersetzen musste, ist ein strenger Umgang mit einem Leihhirten. Solche Verträge gibt es auch heute noch – aber es gibt auch solche, bei denen ein Beleg (das tote Tier) ausreichte und das Risiko beim Eigentümer/Auftraggeber lag.
Fragen zum Text:
- Was wäre wohl passiert, wenn Laban den Hausgötzen gefunden hätte?
- Hier musste Gott durch einen Traum übernatürlich eingreifen. Erleben und/oder brauchen wir so etwas auch manchmal?
- Wieso offenbart sich Jahwe als Gott der Väter Jakobs, ohne sich als einzig wahrer Gott zu offenbaren?