Deuteronomium 16,21-22
Eigene Übersetzung
21) Pflanze für dich kein Aschera-Standbild pflanzen, irgendein Holz neben dem Altar Jahwes deines Gottes, welchen du für dich machen wirst.
22) Und stelle kein Gedenkstein aufstellen, die der Jahwe dein Gott hasst.
Gedanken zum Text
Man mag sich wundern, warum in diesem Abschnitt von einer Aschera neben dem Altar Jahwes die Rede ist und nicht direkt von Altären für Götzen. Tatsächlich wurden an einigen Stellen in Israel Tempel entdeckt, die zwei Räucheraltäre und Gottesdarstellungen hatten – einen für Jahwe und einen für seine Aschera. In solchen Fällen wurde die Aschera als Jahwes Frau angesehen.
Historisch-kritische Theologen behaupten oft, dass Jahwe ursprünglich eine Frau, die Aschera, gehabt habe, und dass der Monotheismus Israels sich erst später aus einem Polytheismus entwickelt habe. In diesem Zusammenhang wird vermutet, dass die biblischen Texte entweder umgeschrieben oder erst nach dieser Entwicklung verfasst wurden.
Doch anstatt die Erklärung der Bibel selbst zu berücksichtigen, stellen diese Theologen lieber ihre eigenen Theorien auf. Ja, sie haben recht, dass es die gemischte Anbetung gab, aber hier gibt die Bibel doch selbst den Hinweis darauf und sagt, dass es nicht getan werden soll. Warum also diese Behauptung, dass Israel ursprünglich polytheistisch war?
Einige dieser Theologen führen als Beleg für ihre Sichtweise Reformen in der Anbetung in Jada an, die auch archäologisch nachweisbar sind. Zum einen wurden viele Standbilder zerstört, zum anderen viele Tempel komplett abgeschafft. Das passt doch aber super zum biblischen Bericht, warum sollte man dann nicht einfach den kompletten biblischen Bericht annehmen, der von Anfang an davor gewarnt hat, es nicht zu tun, sie es trotzdem getan haben und es später in einer Reform wieder rückgängig gemacht wurde?
Der einzige Grund, dies anders zu interpretieren, scheint darin zu liegen, dass manche von vornherein die Bibel als unglaubwürdig betrachten und wo immer möglich die bibelfeindlichste oder revolutionärste Theorie bevorzugen. So werden Funde, die als Beleg für die Richtigkeit der Bibel gelten könnten, stattdessen als Argument gegen sie verwendet.
Die Gedenksteine in Vers 22 könnten sich auf dasselbe Phänomen beziehen. An einigen Stellen fordert die Bibel selbst dazu auf, Gedenksteine zu errichten, die an Gottes Taten erinnern. Es macht also wenig Sinn hier ein Verbot gegen diese Art von Gedenksteinen zu sehen, hier scheint es vielmehr um Gedenksteine zu gehen, die Gott selbst repräsentieren sollen.
Als ich in Israel war, besuchte ich eine Ausgrabungsstätte einer Festung im Negev. Dort wurde ein Tempel entdeckt, der zwei Räucheraltäre hatte. Hinter einem der Altäre stand ein aufrechter Stein, während auf der anderen Seite ein leerer Platz zu sehen war, wo vermutlich früher auch ein Stein gestanden hatte. Der verbliebene Stein sollte Jahwe darstellen, der fehlende Stein repräsentierte vermutlich die Aschera, die während einer Reform entfernt wurde.
Dennoch wurde wohl nur die Hälfte der Reform umgesetzt. Zwar beseitigte er die Verehrung der Aschera, doch ließ er die Gedenksteine als Symbole für Jahwe bestehen – obwohl die Bibel beides kritisiert.
Wenn die historisch-kritischen Theologen hier annehmen, dass diese Texte erst nach der Reform geschrieben wurden, wäre es dann nicht passender gewesen, wenn diese dann komplett zu den Ergebnissen der Reform passen würden und nicht nur eines von zwei Problemen behoben worden wäre?




Es gab offenbar am Anfang zwei Gottheiten. El (Isra-EL) und Yahwe. Yahwe hatte offenbar eine Frau Aschera. Wissen sie denn genau wann die Bibeltexte genau verfasst wurden oder ob die später überarbeitet wurden als man einen Gott aufbauen wollte ? All das zeigt der jüdisch-christliche Gott ist nicht glaubwürdiger als all die anderen Götter. Gott hat den Menschen nicht nach seinem Bilde geformt, sondern der Mensch Gott nach seinen Vorstellungen.
Hallo MrX,
das ist tatsächlich ein viel diskutiertes Thema. Es gibt einige Theologen, die davon ausgehen, dass alle Religionen ursprünglich aus einem Polytheismus entstanden sind, und sie lesen diesen Ansatz auch in die Bibel hinein. Auf dieser Grundlage werden entsprechende Theorien entwickelt.
Wie in meinem Beitrag gezeigt wurde, gab es tatsächlich zumindest zeitweise eine gemeinsame Anbetung von Jahwe und Aschera. Der Schluss, dass dies die ursprüngliche Form gewesen sei und Israel vorher mehrere Götter verehrt habe, ist jedoch längst nicht so eindeutig, wie manche Gegner des Christentums es darstellen möchten. Das Ganze ist wesentlich differenzierter.
Natürlich gibt es Menschen, die behaupten, ganz genau zu wissen, wann was in der Vergangenheit passiert ist – sowohl Verteidiger der biblischen Sicht als auch ihre Gegner. Doch wie in vielen anderen Bereichen sind oft gerade diejenigen am überzeugendsten, die am sichersten auftreten. Wissenschaftlich gesehen ist diese Sicherheit jedoch häufig nur schwach fundiert.
Im Alten Testament wissen wir in den meisten Fällen nicht genau, wann ein Text verfasst wurde. Es gibt die traditionelle Datierung, eine frühestmögliche anhand des Inhalts sowie eine spätestmögliche anhand archäologischer Funde.
Wenn man von einer frühen Abfassung der Texte um die Zeit Moses ausgeht (was aus mehreren Gründen plausibel ist), dann ist klar, dass die Texte später überarbeitet wurden – zumindest sprachlich. Das biblische Hebräisch ist nämlich zu einheitlich, um eine so große Zeitspanne abzudecken. Auch scheinen einige kleine Kommentare später hinzugefügt worden zu sein
(hier gehe ich etwas ausführlicher darauf ein: Moses Tod und spätere Kommentare).
Aber eine sprachliche Modernisierung belegt kein spätes Abfassungsdatum und auch keine Veränderung des Inhalts. Wenn das so wäre, wären sowohl die Anpassung alter Texte an moderne Sprache als auch das Übersetzen von Texten praktisch unmöglich – eine Sichtweise, die Mohammed hatte, die aber in der jüdisch-christlichen Tradition und auch in der säkularen Welt nicht geteilt wird.
Wir haben den Text nun einmal so vorliegen, wie er ist, und ohne ein Originalmanuskript der ersten Niederschrift können wir keine 100% sicheren Aussagen darüber machen, was ganz am Anfang darin stand.
Vertreter wie Julius Wellhausen gingen davon aus, dass der israelitische Glaube ursprünglich nicht rein monotheistisch war. Sie sahen Jahwe zunächst als Hochgott im Umfeld anderer Gottheiten (Henotheismus) und deuteten die Aschera-Funde und biblischen Verbote als Hinweise auf frühere polytheistische Praktiken. Den klaren Monotheismus betrachteten sie als eine spätere Entwicklung. Moderne historisch-kritische Theologen führen diese Überlegungen oft noch weiter und sehen in Reformen oder Verboten der Bibel Hinweise auf spätere redaktionelle Eingriffe.
Obwohl ich diese Spekulationen persönlich für recht schwach halte – und sie teilweise eher ideologischen als wissenschaftlichen Mustern folgen – kann man sie mangels ursprünglicher Manuskripte natürlich nicht mit absoluter Sicherheit widerlegen.
Interessant ist jedenfalls, dass die Bibel historisch an sehr vielen Stellen bemerkenswert glaubwürdig ist. Vieles, was frühere Kritiker als Mythen abgelehnt haben, wurde inzwischen archäologisch bestätigt.
Faktisch ist die Bibel damit ein antikes Dokument mit hoher historischer Zuverlässigkeit, das die Welt des Alten Orients mit Orten, Herrschern und nachweisbaren Ereignissen präzise beschreibt. Mitten in diesem historischen Rahmen finden sich immer wieder Hinweise auf Gott und sein Eingreifen – Dinge, die ihrer Natur nach nicht archäologisch beweisbar sind. Entweder handelt es sich beim Alten Testament also um den außergewöhnlichsten historischen Roman aller Zeiten, in dem ein mythologisches Wesen meisterhaft in echte Geschichte eingebettet wurde, oder es steckt mehr dahinter und auch die Berichte über Gottes Wirken sind glaubwürdig.
Aufgrund der historischen Stärke der Bibel und der Art, wie dieser Gott beschrieben wird, halte ich den jüdisch-christlichen Gott für deutlich glaubwürdiger als all die anderen Götter. Wenn es einen Gott gibt, der den Kontakt mit Menschen sucht, dann ist Jahwe der Bibel der weitaus beste Kandidat. Ob es einen solchen Gott tatsächlich gibt, ist jedoch nicht beweisbar.