Genesis 47,13-26

Eigene Übersetzung

  1. Und es gab kein Brot im ganzen Land, denn die Hungersnot war sehr schwer, und das Land Ägypten war besorgt und auch das Land Kanaan wegen der Hungersnot.
  2. Und Joseph sammelte das ganze Geld, das sich im Land Ägypten und im Land Kanaan fand, für das Getreide, das sie kauften. Und Joseph brachte das Geld ins Haus Pharaos.
  3. Und das Geld vom Land Ägypten kam zu Ende und auch das im Land Kanaan. Und ganz Ägypten kam zu Joseph, sagend: Gib uns Brot! Warum sollen wir sterben vor dir, denn das Silber hat aufgehört.
  4. Da sprach Joseph: Bringt euren Viehbesitz, und ich gebe euch für euren Viehbesitz, wenn das Silber aufgehört hat.
  5. Und sie brachten ihren Viehbesitz zu Joseph, und Joseph gab ihnen Brot für ihre Pferde und für ihren Viehbesitz an Kleinvieh und ihren Viehbesitz an Rindvieh und für ihre Esel. So versorgte er sie mit Brot für all ihren Viehbesitz in jenem Jahr.
  6. Und dieses Jahr kam zu Ende, und sie kamen zu ihm im zweiten Jahr und sagten zu ihm: Wir wollen es vor meinem Herrn nicht verbergen, dass das Geld ausgegangen ist und der Viehbesitz an Tieren bei meinem Herrn. Es ist uns nichts mehr vor meinem Herrn übrig geblieben als nur unser Leib und unser Erdboden.
  7. Warum sollen wir vor deinen Augen sterben, sowohl wir als auch unser Erdboden? Kaufe uns und unseren Erdboden für Brot, und wir und unser Erdboden werden Diener des Pharao sein. Und gib uns Samen, und wir werden leben und nicht sterben, und der Erdboden wird nicht verödet sein.
  8. Da kaufte Joseph den ganzen Erdboden Ägyptens für Pharao, denn die Ägypter verkauften ihn, ein jeder sein Feld, denn die Hungersnot war stark gegen sie. Und so wurde das Land dem Pharao.
  9. Und das Volk brachte er in die Städte, von einem Ende der Grenzen Ägyptens bis zum anderen Ende.
  10. Nur das Land der Priester kaufte er nicht, denn es gab eine Ordnung für die Priester von Pharao, und sie aßen von ihrer Bestimmung, die ihnen Pharao gab; deshalb kaufte er ihren Erdboden nicht.
  11. Und Joseph sprach zum Volk: Seht, ich habe euch und euren Erdboden heute für Pharao gekauft. Seht, Samen für euch – besät den Erdboden!
  12. Und es geschehe beim Ernten, dass ihr den fünften Teil für Pharao gebt. Vier Teile sollen für euch sein zum Säen des Feldes und euch zur Nahrung und für die in eurem Haus und als Nahrung für eure Kinder.
  13. Und sie sprachen: Du hast uns am Leben gehalten; wir haben Gnade gefunden in den Augen meines Herrn, und wir sind Knechte des Pharaos.
  14. So setzte Joseph es ihm zum Gesetz bis zu diesem Tag über dem Erdboden Ägyptens, dass dem Pharao der Fünfte gehöre; nur der Erdboden der Priester allein wurde nicht für Pharao.

Gedanken zum Text

Ich fand diese Geschichte immer etwas eigenartig. Der gerechte und gute Joseph wird hier als der gezeigt, der Einkommenssteuer einführt – etwas, das heute noch die meisten hassen.

Und dann wird der Text auch noch so beschrieben, als wären die Ägypter dafür dankbar gewesen und hätten es einfach akzeptiert.

Dass es so explizit auch im Text beschrieben wird, lässt vermuten, dass diese Art der Einkommenssteuer für Ägypten schon etwas Besonderes war. Möglicherweise war es auch Mitgrund, dass Ägypten so mächtig war. So sehr wir Steuern oft hassen, so sind sie doch (wenn richtig verwendet) notwendig, um die Grundlagen für ein florierendes Land zu schaffen.

Und selbst wenn es für den Reichtum und die Macht Ägyptens vielleicht vorteilhaft war, fällt auf, dass Gott den Israeliten später ein System gibt, das es sogar unmöglich machen soll, Landbesitz dauerhaft zu verkaufen.

Wahrscheinlich wird es schon ein paar gegeben haben, die es so akzeptiert haben, wie der Text es sagt. Aber das war sicher nicht die einzige Meinung. Sicher wird es auch viele gegeben haben, die das als unfair empfanden, aber nichts dagegen tun konnten. Hatten sie nicht schon in den sieben guten Jahren ein Fünftel ihres Getreides abtreten müssen, um es einzulagern? Und jetzt sollen sie noch einmal für das bezahlen, was sie bereits selbst geben mussten. Ähnlich wie heute mancher fragt: Warum bekommen wir sowohl Einkommens- als auch Mehrwertsteuer?

Historisch ist etwas herausfordernd, dass die Steuern in Ägypten etwas variabler waren. Wann war „bis zum heutigen Tage“ – wie lange galt das System so, wo es doch Quellen gibt, die andere Steuersysteme in Ägypten beschreiben?


Fragen zum Nachdenken

  • Warum wird dies so ausführlich im biblischen Text berichtet?
  • Warum hat Joseph die Leute nicht nur fronpflichtig gemacht, sondern auch in die Städte gesammelt?
  • Warum schafft Joseph ein System in Ägypten, das sich so stark unterscheidet von dem, das Gott für sein Volk wählen wird?

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