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Matthäus 9,9-13

Bibeltext (Menge-Übersetzung)

  1. Als Jesus dann von dort weiterging, sah er einen Mann namens Matthäus an der Zollstätte sitzen und sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand er auf und folgte ihm.
  2. Als Jesus dann im Hause (des Matthäus) zu Tische saß, kamen viele Zöllner und Sünder und nahmen mit Jesus und seinen Jüngern am Mahl teil.
  3. Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: »Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern?«
  4. Als Jesus es hörte, sagte er: »Die Gesunden haben keinen Arzt nötig, wohl aber die Kranken.
  5. Geht aber hin und lernt, das Wort zu verstehen: ›An Barmherzigkeit habe ich Wohlgefallen, nicht an Schlachtopfern‹; denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu berufen, sondern Sünder.«

Kommentar

Ich habe das Gefühl, wenn wir davon reden, dass die Jünger alles zurückließen, um Jesus nachzufolgen, liegt der Fokus oft auf den Fischern Petrus, Andreas, Johannes und Jakobus.
Generell sind diese dabei aber kein allzu großes Risiko eingegangen.

Klar, sie haben ihren Job verlassen, aber da sie gewissermaßen selbstständig gearbeitet haben, hätten sie jederzeit wieder zum Fischen zurückkehren können (was sie nach der Auferstehung Jesu ja auch tatsächlich getan haben)1.

Matthäus war angestellt. Er hatte keine Garantie, dass er – falls er es sich anders überlegt hätte – jemals wieder eine Chance bekommen würde, bei den Römern als Zollbeamter angestellt zu werden. Schließlich hat er seinen Job einfach verlassen.2

Der Text sagt nicht klar, ob es gegen Ende seiner Schicht war und das Problem erst auftrat, als er nicht mehr zur Arbeit zurückkam (und er dies vielleicht sogar im Voraus melden konnte), oder ob es mitten in seiner Schicht geschah und er das Risiko von Strafen auf sich nahm.

Als Zöllner wurde Matthäus von vielen gemieden und sehr negativ betrachtet, aber das bedeutet noch lange nicht, dass er nichts zu verlieren hatte. Er hatte Reichtum. Auch hatte er wohl Freunde, die ebenfalls von der Gesellschaft gemieden wurden.3 Der Text betont ja auch, dass viele Zöllner und Sünder mit zu Tisch kamen – das Gleiche passierte auch bei Zachäus, als Jesus zu ihm kam.

Indem er Jesus nachfolgte, riskierte er, dies alles zu verlieren – in der Hoffnung, aber ohne Gewissheit, von Jesus etwas Besseres zu empfangen.

Wir wissen auch nicht, wie viel Matthäus bereits über Jesus wusste. Er wird sicher von den Wundern gehört haben; Jesus war kein völlig Fremder – vor allem nicht, da Matthäus Zollbeamter in Kapernaum war, dem Ort, aus dem Jesus kam und von dem in der Bibel besonders viele Wunder berichtet werden.

Aber eine Gewissheit konnte es dennoch nicht geben. Jesus selbst riskierte seinen Ruf, als er sich mit Matthäus einließ. Was wäre gewesen, wenn Jesus – um seinen Ruf zu retten – Matthäus wieder zurückgelassen hätte?

Der biblische Text macht klar, dass auch bei den Pharisäern einiges nicht stimmte. Wirklich gesund waren sie geistlich ebenfalls nicht. Aber diejenigen, die als Zöllner und Sünder bezeichnet wurden und dennoch Jesus zuhören wollten, erkannten, dass sie krank waren. Nur diese waren bereit, die Behandlung durch den Arzt anzunehmen.4

Jesus zitiert aus dem Alten Testament (Hosea 6,6), als er mit den Pharisäern spricht. Sie rühmten sich, die Bewahrer und Ausleger dieser Schriften zu sein, aber sie verstanden den Charakter ihres Autors nicht.


Anwendung

Versuche, dich in Matthäus hineinzuversetzen. Was bedeutete diese Bereitschaft zur Aufgabe für ihn? Wie hoch war sein Risiko? Warum folgte er dennoch?

Und dann überlege für dein eigenes Leben: Wie hättest du reagiert? Wie würdest du reagieren, wenn Jesus dir heute die Einladung geben würde, alles, was du hast – jede Sicherheit, deinen Job, dein Haus, was auch immer du besitzt – zurückzulassen, und zwar auf eine Weise, bei der du keine Garantie hast, dorthin zurückkehren zu können?


Fragen zum Nachdenken

  1. Bist du bereit, deinen eigenen Ruf aufs Spiel zu setzen, um anderen ein Segen zu sein?
  2. Matthäus konnte das, was er erlebte, direkt mit vielen teilen, da viele mit ihm zu Tisch kamen. Für wen ist unser Haus offen?
  3. Wo musst du lernen, mehr Barmherzigkeit zu leben?

Quellen

  1. siehe Johannes 21,3 ↩︎
  2.  Bible Study Introductions (Bellingham, WA: Logos, 2024).
    As a tax collector, Matthew probably had a comfortable income but was detested by all patriotic Jews. Matthew was a collaborator, a traitor to his people for the sake of mere money. But when Matthew abandoned his post at a toll booth, he was taking a much greater risk than fishermen like Peter and John were taking. Fishermen could always go back to fishing if things didn’t work out, but Matthew would never work for the Romans again after walking out.
    ↩︎
  3.  Tony Evans, The Tony Evans Bible Commentary (Nashville, TN: Holman Bible Publishers, 2019), 881.
    Once Matthew became a disciple, he had a party and invited his friends to meet Jesus. Now, as a tax collector, whom would Matthew have for friends? Tax collectors, of course—as well as other unsavory people. Matthew had found grace and refused to keep it to himself because he knew others needed the same thing.
    ↩︎
  4. William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament, übers. von Christiane Eichler, 7. Auflage. (Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 2018), 63.
    Das hatte Jesus gehört und antwortete: »Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken.« Die Pharisäer meinten, dass sie gesund seien, und waren nicht bereit zu bekennen, dass sie Jesus brauchten. (In Wahrheit waren sie geistlich sogar sehr krank und hätten Heilung dringend notwendig gehabt.) Die Zöllner und Sünder waren dagegen eher gewillt, ihren wahren Zustand zuzugeben und Christi rettende Gnade zu suchen. So war die Anklage also wahr! Jesus aß wirklich mit Sündern. Wenn er mit den Pharisäern gegessen hätte, wäre diese Behauptung noch immer wahr gewesen, und vielleicht noch mehr! Wenn Jesus nicht mit Sündern in unserer Welt zusammen gegessen hätte, dann hätte er immer allein essen müssen. Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass er, wenn er mit Sündern aß, nie ihre Sünden billigte oder sein Zeugnis abschwächte. Er gebrauchte die Situation, um alle Menschen zur Wahrheit und zur Heiligung aufzurufen.
    ↩︎

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