Genesis 34,20–31

Eigene Übersetzung

  1. Und Hamor und Sichem, sein Sohn, kamen zum Tor der Stadt und sprachen zu den Männern der Stadt:
  2. Diese Männer, sie sind friedlich mit uns, und sie werden im Land wohnen und umherziehen in ihm. Und seht, das Land ist weit auf beiden Seiten vor ihnen. Ihre Töchter werden wir für uns zu Frauen nehmen und ihre und unsere Töchter für sie.
  3. Nur unter dieser Bedingung sind die Männer einverstanden, mit uns zu wohnen und ein Volk zu sein: wenn bei uns alles Männliche beschnitten ist, wie sie Beschnittene sind.
  4. Ihre Herden und ihr Besitz und all ihr Vieh – werden sie nicht unser sein? Lasst uns nur mit ihnen einverstanden sein, und sie werden bei uns wohnen.
  5. Und sie hörten auf Hamor und auf Sichem, seinen Sohn – alle, die durch das Tor der Stadt hinausgingen. Und alles Männliche, alles, was aus dem Tor der Stadt hinausging, ließ sich beschneiden.
  6. Und es geschah am dritten Tag, als sie in Schmerzen waren, da nahmen die zwei Söhne Jakobs, Simeon und Levi, die Brüder Dinas, jeder sein Schwert, und kamen zur Stadt im Vertrauen und erschlugen alles Männliche.
  7. Und Hamor und Sichem, seinen Sohn, erschlugen sie mit der Schärfe des Schwertes. Und sie nahmen Dina aus dem Haus Sichems, und sie gingen hinaus.
  8. Die Söhne Jakobs kamen über die Erschlagenen und plünderten die Stadt, die ihre Schwester unrein gemacht hatte.
  9. Ihr Kleinvieh und ihr Rindvieh, ihre Esel und was in der Stadt war und was auf dem Feld war, nahmen sie.
  10. Und all ihren Besitz und alle ihre Kleinkinder und ihre Frauen führten sie weg und plünderten auch alles, was in ihren Häusern war.
  11. Da sagte Jakob zu Simeon und zu Levi: Ihr habt mich zerrüttet, indem ihr mich stinkend gemacht habt bei den Einwohnern des Landes, bei den Kanaanitern und bei den Perisitern, und ich bin ein gezählter Mann. Und wenn sie sich gegen mich versammeln, dann werden sie mich erschlagen und mich und mein Haus ausrotten.
  12. Und sie sagten: Zu einer Hure durfte er unsere Schwester machen?

Gedanken zum Text

Viele versuchen, die Bibel zu lesen, und erwarten, dass alle gläubigen Männer darin Vorbilder sind. In vielen Geschichten ist dies aber nicht der Fall – die Bibel berichtet vielmehr, wie Gott auch verdorbene Menschen nutzt, um sein Reich zu bauen, auch wenn diese Menschen auf dem Weg dahin oftmals Falsches, manchmal sogar sehr Schlimmes oder Böses tun.

Diese Geschichte ist eine davon. Eine ganze Stadt war bereit, sich ihnen anzuschließen und sich beschneiden zu lassen. Wäre die Bedingung gewesen, ihre Götzen abzulegen und nur noch Jahwe anzubeten, hätten sie es vermutlich auch akzeptiert. Sie waren bereit, alles zu tun, um mit Jakob und seinen Söhnen ein Volk zu werden.

Aber statt ihnen eine ehrliche Möglichkeit zu geben, wurden sie hinterrücks ermordet.

Klar, Sichem hat sich an Dina versündigt, aber dennoch mussten viele Unschuldige mitsterben.

Kinder und Frauen führten sie später weg. So wurden zumindest nicht alle getötet – was aber später aus den Frauen und Kindern wurde, sagt der Text nicht.

Auch Jakobs Tadel, der hier aufgeschrieben ist, spricht nicht von dem Unrecht, das getan wurde – von den vielen Unschuldigen, die sie umgebracht haben und die ihnen gegenüber so freundlich gesinnt waren. Nein, das Einzige, wofür er sie tadelt, ist seine Sorge, jetzt von anderen angegriffen zu werden.

Fragen zum Text

  • Wie ist damit umzugehen, dass die Bibel so ehrlich mit der Bosheit der Auserwählten Gottes umgeht?
  • Was ist wohl aus den Frauen und Kindern geworden?
  • Was hätte werden können, wären sie wirklich ein Volk geworden?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert