Genesis 2,1–3

Eigene Übersetzung

  1. So wurden der Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
  2. Und so vollendete Gott am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte, und ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte.
  3. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott erschaffen hatte, indem er es machte.

Kommentar

Nach sechs Tagen Schöpfung kommt der siebte Tag, der sich dadurch auszeichnet, dass Gott nicht mehr schuf. Das Wort „ruhen“, das wir in Vers 2 und 3 finden, ist das Verb zum Wort „Sabbat“ und bedeutet eigentlich „aufhören“. Das Nomen „Sabbat“ kommt hier noch nicht vor – es wird zuerst in Exodus 16,23 genannt.

Für die ersten Leser war jedoch klar, dass es sich um den Sabbattag handelt. Auch wenn die genaue Abfassungszeit unklar ist, wird Mose traditionell als Autor gesehen. Er konnte den Israeliten dies vermutlich noch nicht vor dem Auszug aus Ägypten vorlesen. Einige spekulieren, Mose hätte das Buch in Midian geschrieben, doch wahrscheinlicher ist die Zeit der 40-jährigen Wüstenwanderung. Dort kannten die Juden durch das Manna-Wunder und die Zehn Gebote den Sabbat bereits gut.

Deshalb war für die Israeliten damals klar: Auch wenn der Text kein Sabbatgebot enthält, sollten sie in Erinnerung an Gottes Ruhe nach der Schöpfung ebenfalls ruhen.

Die Schöpfung war nach sechs Tagen bereits vollendet. Gott schuf Himmel, Erde und ihr ganzes „Heer“. An anderen Stellen der Bibel wird das „Heer des Himmels“ oft auf Engel oder Gestirne bezogen. Hier aber ist vom „Heer der Erde“ oder vom „Heer von Erde und Himmel“ die Rede, was vermutlich anders zu verstehen ist: Himmel umfasst die Gestirne, Erde das Land und die Pflanzen, und das „Heer der Erde“ alles Lebendige – Menschen und Tiere – also alles, was eine lebendige Seele hat.

Das „Ruhen/Aufhören“ hier ist nicht vergleichbar mit menschlicher Erschöpfung. Im antiken Nahen Osten war bekannt, dass Götter in ihren Tempeln ruhen, dabei aber weiterhin herrschen.1John H. Walton, „Reading Genesis 1 as Ancient Cosmology“, in Reading Genesis 1–2: An Evangelical Conversation, hg. von J. Daryl Charles (Peabody, MA: Hendrickson Publishers, 2013), 158.Hier wird wohl impliziert, dass Gott seine Herrschaft über die Schöpfung übernimmt, nachdem alles geordnet und vollendet ist.

In der babylonischen Schöpfungsversion ruht der Gott Marduk nach seinem Kampf mit Tiamat, was ursprünglich als Besänftigung nach der Überwindung chaotischer Kräfte verstanden wurde.2Morris Jastrow Jr., „The Original Character of the Hebrew Sabbath“The American Journal of Theology (1898), 2:2:343–345. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht darin, dass auch Gott das Chaos beseitigt hat (vor der Schöpfung war es wüst und leer). Gleichzeitig ist der Unterschied deutlich: Gott musste nicht kämpfen oder besiegen, sondern handelte souverän – ein Thema, das sich durch die ganze Schöpfungsgeschichte zieht.

Sehr auffällig ist, dass Gott den Sabbattag segnete. Zuvor segnete er nur Lebewesen. Der Sabbat ist das erste, das geheiligt wird, obwohl es keine lebendige Seele enthält. Wenn hier impliziert ist, dass Gott sich auf seinen Thron im Tempel setzt, wird verständlich, warum dieser Tag geheiligt wird.

In den Zehn Geboten wird Gottes Ruhe als Vorbild genommen, damit auch wir am siebten Tag ruhen, nachdem wir unsere Werke der Woche vollbracht haben. Es geht dabei nicht darum, nichts mehr zu tun und zu schlafen, sondern darum, das Werk der Woche zu beenden und die vollendete Woche bewusst zu genießen, mit dem Fokus auf den Gott, der auf seinem Thron sitzt und herrscht.

Ich sehe darin ein wunderschönes Geschenk Gottes: Jede Woche endet mit einem Sabbat, an dem wir von unserem Wochenwerk ruhen dürfen. Wir müssen nicht in einem ewigen Hamsterrad laufen. Gott hat seinem Volk nicht nur empfohlen, sondern geboten, den Sabbat treu zu erinnern und zu halten.

Dass die Bibel nicht bis ins Detail festlegt, was am Sabbat zu tun ist, ist vermutlich Absicht: Es geht darum, das Wochenwerk zu beenden, zu ruhen und den Fokus auf den Schöpfer auf seinen Thron zu richten, ohne dass genau vorgeschrieben wird, welche Tätigkeiten erlaubt oder verboten sind. Schließlich soll der Tag ein Tag der Freude und des Genusses sein (Jesaja 58,13–14) und nicht ein Tag des Stresses oder der Angst, etwas falsch zu tun.


Fragen zum Nachdenken

  1. Was bedeutet es, dass Gott auf seinem Thron „ruht“?
  2. Welchen Wert hat der Sabbat für dich: ein Tag der Freude am Herrn oder oft auch ein Tag mit Stress?
  3. Warum ist Gottes Ruhe für uns so wichtig, dass der Sabbat in die Zehn Gebote aufgenommen wurde?

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