Genesis 9,8-17

Eigene Übersetzung

  1. Und Gott sprach zu Noah und zu seinen Söhnen mit ihm:
  2. Und ich, siehe, richte meinen Bund mit euch auf und mit eurem Samen nach euch,
  3. und mit jeder lebenden Seele, die bei euch ist – an Vögeln, an Vieh und an allem Leben der Erde bei euch, von allem, was aus der Arche herausgegangen ist, von allen Tieren der Erde.
  4. Und ich richte meinen Bund mit euch auf, dass ich nicht wieder alles Fleisch vom Erdboden ausrotten werde durch die Wasser der Flut, und dass es nicht wieder eine Flut geben wird, um die Erde zu vernichten.
  5. Und Gott sprach: Dies ist das Zeichen des Bundes, das ich zwischen mir und euch und allen lebenden Seelen setzen werde bis zu ewigen Generationen.
  6. Meinen Bogen setze ich in die Wolken, und er sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde.
  7. Und es soll geschehen: Wenn Wolken auf der Erde aufziehen und der Bogen in den Wolken sichtbar wird,
  8. dann werde ich mich meines Bundes erinnern, der zwischen mir und euch und allen lebenden Seelen und allem Fleisch besteht, sodass das Wasser nicht noch einmal zu einer Flut wird, um alles Fleisch zu vernichten.
  9. Wenn der Bogen zwischen den Wolken ist, werde ich ihn ansehen, um mich an meinen ewigen Bund zu erinnern zwischen Gott und allen lebenden Seelen in allem Fleisch, das auf der Erde ist.
  10. Und Gott sprach zu Noah: Dies ist das Zeichen des Bundes, das ich zwischen mir und dir und allem Fleisch, das auf der Erde ist, aufrichten werde.

Kommentar

Schon bei den Anweisungen, die Arche zu bauen, hat Gott davon gesprochen, seinen Bund mit Noah aufrichten zu wollen. Nach der Flut wird dies noch einmal bestätigt – jetzt auch mit einem Bundeszeichen.

Bünde in der Bibel sind ein zentrales Thema; gewissermaßen kann man die Bibel auch als ein „Buch der Bünde Gottes“ lesen. Gott hat enormes Interesse daran, mit seinen Geschöpfen in Kontakt zu treten – und er tut dies immer wieder unter Bünden.

Bund ist dabei primär ein altes Wort für „Vertrag“. Genauso wie wir heute viele Verträge schließen, wurde es auch damals getan: zwischen Einzelpersonen, zwischen Gruppen und Familien und auch zwischen Völkern. Und eben auch immer wieder zwischen Gott und Menschen.

1Normalerweise besteht ein Bund aus Verpflichtungen und Rechten für beide Seiten. Selbst bei Suzeränitätsverträgen, also Verträgen zwischen einem siegreichen Eroberer und einem unterlegenen Volk, hatte nicht nur der unterlegene Partner Pflichten – auch der Stärkere legte sich selbst Verpflichtungen auf, zum Beispiel die Pflicht, Schutz zu gewähren.2

Interessanterweise sind Gottes Bünde manchmal einseitig. Der Bund mit Noah ist so ein Bund. Gott verspricht, dass er die Erde nicht mehr durch eine universelle Flut vernichten wird. Dabei setzt er hier keine Bedingung, die der Mensch erfüllen muss.

Bei vielen menschlichen Bünden gilt: Wenn einer den Bund bricht, ist auch der andere nicht mehr dazu verpflichtet (Vgl. Matthäus 5,32). Bei Gott ist es oftmals anders. Diesen Bund mit Noah kann der Mensch gar nicht brechen, da an ihn keine Bedingung gestellt wird. Aber auch bei anderen Bünden Gottes betont er immer wieder, dass seine Bündnistreue nicht aufhört, selbst wenn die menschlichen Partner versagen.3 Es ist Gottes Versprechen, seine Bünde zu erhalten.

Generell scheint der Bund, den Gott hier mit Noah geschlossen hat, besser zu unserem Wort „Versprechen“ zu passen als zu „Vertrag“.

Interessant ist hier auch das Bundeszeichen. Jeder von uns kennt Regenbogen. Heute werden sie auch als Symbol für andere Dinge genutzt, die nichts mit Gott und seinem Versprechen zu tun haben.

Auch hört man nicht selten, dass die Menschen es damals als Bundeszeichen sahen, weil sie den Zusammenhang zur Lichtbrechung nicht verstanden. Heute sei dies überholt, wir wissen, es hat nichts mit Gott zu tun, es ist einfach ein schönes physikalisches Schauspiel.

Wenn man sich den Wortlaut des Textes anschaut, stellt sich jedoch die Frage, ob es den Menschen damals nicht doch bewusst war. Zwar sagt der Text an der einen Stelle, dass Gott ihn in die Wolken setzt, dann spricht es aber davon, dass, wenn er erscheint, Gott ihn ansieht und sich erinnert.

Das klingt vielmehr danach, dass Gott den Bogen hier als Bundeszeichen verwendet, weil er selbst immer wieder erscheint und sich daran erinnern kann. Gewissermaßen war der Regenbogen vermutlich neu. Lichtbrechung gab es vorher schon, und da, wo Wasser spritzte, werden die Menschen auch vor der Flut kleine Regenbogen gesehen haben. Doch eventuell gab es noch keinen Regen – und damit auch keine großen Regenbögen in den Wolken. Dies ist jedoch keine ganz klare Debatte. Der biblische Text sagt nur im Garten Eden, vor der Erschaffung des Menschen, dass es noch keinen Regen auf der Erde gab. Einige leiten davon ab, dass es generell keinen Regen vor der Flut gab,4 aber genau genommen sagt der Text direkt, dass es seit der Erschaffung des Menschen und nach dem Verlassen des Gartens immer noch keinen Regen gab.

Ganz egal, ob es vorher schon Regen gab oder nicht: Für uns bleibt das Versprechen, an das uns der Regenbogen erinnern soll. Gott ist treu, und auch wenn es lokale Katastrophen gibt, wird es keine globale Vernichtung der Menschheit mehr geben – bis der Messias wiederkommt und uns in eine bessere Welt bringt.


Fragen zum Nachdenken

  1. Warum gibt Gott auch Bünde/Versprechen, die keine Gegenleistung erwarten?
  2. Warum nimmt Gott ein natürliches Zeichen und kein übernatürliches als Bundeszeichen?
  3. Welche Dinge unserer Natur und Umwelt können wir auch als Erinnerungszeichen nutzen, um die Güte Gottes nicht zu vergessen?

Quellen

  1. Vgl. David S. Dockery, Hrsg., Holman Bible Handbook (Nashville, TN: Holman Bible Publishers, 1992), 146.
    Hittite and other treaties took one of two forms: parity or suzerainty. A parity treaty was between equals. A suzerainty treaty was between a sovereign (suzerain) and a vassal (subject). It was drawn up by the superior power and imposed on the inferior. This latter type is the more important for biblical studies.
    Both types of treaties contain certain clauses including a title identifying the chief partner, a historical prologue to show how past benefits from the chief partner should inspire the vassal to a grateful response, and a list of stipulations (obligations, laws). They also contain provision for the preservation of the document (usually by deposit in the vassal’s chief shrine), the witnesses to the covenant (usually the gods of both parties), the blessings and curses that will result from keeping or breaking it, a prescribed regular public reading of it, and an oath ratifying the covenant in a solemn ceremony.
    Even in the case of a suzerainty treaty, which was in effect imposed by the sovereign on the vassal, the superior power also bound himself by certain obligations to his vassal.
    ↩︎
  2. Vgl. Douglas Mangum, Miles Custis, und Wendy Widder, Genesis 1–11, Lexham Research Commentaries (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012), Gen 8,20–9,28.
    Another well-attested type of ancient Near Eastern covenant is the suzerain-vassal treaty. A suzerain—a great king—agreed to protect a subject king (the vassal) in exchange for the vassal’s loyalty and service. In Joshua 9, the Gibeonites made a covenant to be the vassals of the “suzerain” Israelites. The entire book of Deuteronomy is often understood to be in the form of a suzerain-vassal treaty between God and the Israelites.
    ↩︎
  3. Vgl. JoAnna M. Hoyt, Amos, Jonah, & Micah, Evangelical Exegetical Commentary (Bellingham, WA: Lexham Press, 2018), 553.
    The other side of this issue is that while the Israelites were utterly unfaithful to Yahweh and his covenant, Yahweh remained utterly faithful. Even when his people turned away from him, he persisted in loving them. He could have immediately issued the curses when they sinned, but instead he gave them warnings and chances to change. And at one point he asks them to explain why they broke the covenant and even allows them the chance to present evidence regarding how they thought he might have broken the covenant (6:3). And, of course, they had no answer, since Yahweh had remained faithful.
      ↩︎
  4. Vgl. James M. Freeman und Harold J. Chadwick, Manners & customs of the Bible (North Brunswick, NJ: Bridge-Logos Publishers, 1998), 11–12.
    Some believe that prior to the Flood it had not rained upon the earth, but the earth was covered by a water canopy that protected the earth’s inhabitants from the harmful, aging, rays of the sun, and every day a mist came upon the ground to water it. Genesis 1:6–7 say, “And God said, ‘Let there be an expanse between the waters to separate water from water.’ So God made the expanse and separated the water under the expanse from the water above it.” This seems to indicate that God suspended a great quantity of water above the earth in a vapor form, which would create conditions upon the earth similar to those within a greenhouse. All this would account for the extreme ages of those prior to the Flood, and the rapid decline in longevity after the Flood when humanity was no longer protected from the harmful rays of the sun.
    ↩︎

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