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Matthäus 7,7–11

Eigene Übersetzung

  1. Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan.
  2. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird geöffnet.
  3. Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn ihn sein Sohn um Brot bittet, ihm einen Stein geben wird,
  4. oder wenn er um einen Fisch bittet, ihm eine Schlange gibt?
  5. Wenn nun ihr, die ihr böse seid, wisst, euren Kindern gute Gaben zu geben, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten.

Kommentar

Hier gibt Jesus eine wunderschöne Zuversicht. Er fordert uns dazu auf, darauf zu vertrauen, dass Bitten, Suchen und Anklopfen nicht umsonst sind.

In diesem Gleichnis sagt er nichts darüber, wie oft man bitten oder wie lange man suchen oder anklopfen muss. In anderen seiner Reden spricht er jedoch auch vom beständigen Gebet, davon, festzuhalten und zu warten, bis etwas geschieht.1

Dieser Abschnitt vermittelt zunächst einfach die Hoffnung, dass Gott hören wird – dass keine unserer Bemühungen, bei ihm Gehör zu finden, vergeblich ist.

Das Beispiel, das Jesus verwendet, ist dabei sehr klar. Auch wir Menschen haben Mitgefühl und sind gut zu denen, die wir lieben, allen voran zu unseren eigenen Kindern.2

Die Welt ist zwar so verdorben, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihren Kindern bewusst Böses antun. Die allermeisten aber wollen nur das Beste für sie und geben ihnen das, worum sie bitten, solange es ihnen möglich ist und sie davon ausgehen, dass es gut für ihre Kinder ist.

Wenn schon irdische Väter so handeln, die nur Väter sein können, weil Gott uns in seinem Ebenbild geschaffen hat, wie viel mehr gilt das dann für Gott selbst, das Urbild aller Vaterschaft (Ephesians 3:14)?3

Für Gott gilt die Einschränkung des Könnens sicher nicht. Wir sind begrenzt und können unseren Kindern nicht jeden Wunsch erfüllen; er aber ist allmächtig, und nichts ist für ihn zu groß.

Die zweite Einschränkung gilt jedoch auch für Gott. Genauso wie Kinder manchmal um Dinge bitten, bei denen sie nicht verstehen, dass sie eigentlich nicht gut für sie sind, so bitten auch wir manchmal um Dinge, von denen der viel weisere Gott weiß, dass sie uns nicht guttun würden. Wenn Gott ein liebender Vater ist, ist es deshalb selbstverständlich, dass er uns solche Dinge nicht gibt – selbst wenn wir es nicht verstehen.4

So versteht mein Sohn vielleicht nicht, warum ich ihm nicht jedes Mal Bonbons gebe, wenn er sie haben möchte, oder warum er nicht den ganzen Tag Filme schauen darf. Manchmal tut es weh, ihm etwas zu verwehren, was er sich so sehr wünscht. Doch Liebe ist bereit, selbst diesen Schmerz zu tragen, wenn man weiß, dass es dem Geliebten dient.

Genauso glaube ich, dass Gott mitfühlt, wenn wir den Eindruck haben, von ihm nicht zu bekommen, worum wir so sehr bitten, während er vielleicht weiß, dass es besser für uns ist, wenn er unser Gebet nicht erhört.


Fragen zum Nachdenken

  1. Wie hilft dir diese Zuversicht im Alltag?
  2. Warum wird in diesem Gleichnis eine mögliche Verzögerung nicht ausdrücklich erwähnt?
  3. Kannst du dich an Dinge erinnern, um die du vergeblich gebetet hast, um später festzustellen, dass es besser war, sie nicht bekommen zu haben?

Quellen

  1. William MacDonald, Kommentar Zum Neuen Testament, trans. Christiane Eichler, 7. Auflage. (Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 2018), 55–56.
    So werden wir hier eingeladen, zu bitten und immer wieder zu bitten, zu suchen und immer wieder zu suchen und zu klopfen und immer wieder zu klopfen. Weisheit und Kraft für das christliche Leben werden denen gegeben, die ernsthaft und anhaltend dafür beten.
    Wenn wir die Verse 7 und 8 aus ihrem Kontext reißen, dann könnte man meinen, dass wir hier einen Blankoscheck für Gläubige haben, als ob sie alles bekommen, worum sie bitten. Aber das ist schlicht und einfach falsch. Die Verse müssen in ihrem unmittelbaren Zusammenhang und im Licht der ganzen biblischen Lehre vom Gebet gesehen werden. Deshalb wird das, was hier als unbegrenzte Zusage erscheint, durch andere Stellen beschränkt. In Psalm 66,18 erfahren wir zum Beispiel, dass im Leben des Beters keine Sünde sein darf, die er Gott nicht bekannt hat. Der Christ muss im Glauben (Jak 1,6–8) und in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes beten (1. Joh 5,14). Das Gebet muss ausdauernd (Lk 18,1–8) und aufrichtig sein (Hebr 10,22a).
    ↩︎
  2. Craig Blomberg, Matthew, vol. 22 of The New American Commentary (Nashville: Broadman & Holman Publishers, 1992), 130.
    The rhetorical questions of vv. 9–10 imply a negative answer and are based on the similarities in appearance between small loaves of bread and stones and between certain eel-like fish and snakes. No loving parent would try to trick his or her children into thinking their requests had been granted by such deceptive substitutions. “How much more” logic prevails again. Even if human parents did occasionally prove untrustworthy (and far too often they do), God would never so mistreat his children. He always gives good things. “Give” is the key word throughout vv. 7–11, appearing five times as well as linking back with v. 6. The “good gifts” God gives include everything that pertains to seeking first his kingdom and its righteousness (6:33). They do not necessarily correspond to everything for which we ask. The commands of vv. 7–8 are in the present tense, suggesting persistent prayer over a period of time.
      ↩︎
  3. Craig S. Keener, The Gospel of Matthew: A Socio-Rhetorical Commentary (Grand Rapids, MI;  Cambridge, U.K.: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 2009), 247.
    God, who gives “good gifts” to his children, may not grant a child’s request for something harmful (in contrast to some pagan expectations concerning misplaced prayers—Ovid Metam. 2.44–102; 3.287–98, 308–9; 11.100–105; 14.129–53), but he will not withhold any good thing from those who desire and seek what is right (Ps 37:4; 84:11). Jewish scholars typically argued by means of “how much more” arguments (qal waḥomer): if a principle is true in the lesser case, how much more in the greater.232 Thus another sage perhaps a century after Jesus taught, “If a member of a man’s household is well-treated, how much more a member of the Creator’s household?” (Sifre Num. 88, cited in Smith 1951: 138; Lachs 1987: 142). As Tannehill points out, “The vivid oddness of considering whether we fathers might respond to the needs of our children in a harmful or capricious way makes distrust of the heavenly Father appear unnatural” in 7:7–10, which the “how much more” of 7:11 reinforces (Tannehill 1975: 133).
    ↩︎
  4. North American Division Corporation of Seventh-day Adventists, Adventist Men’s Ministries Curriculum (Lincoln, NE: AdventSource, 2011), 110.
    The best parent you could ever have is God the Father. He is the one and only Father who deserves the word always before any of His attributes. Unlike human fathers, He always knows exactly what is best for His sons and daughters and always treats them with perfect love and grace. He always disciplines them at the right time and in the right way. He really does know everything, and He can do anything. He is always perfectly loving, in the true sense of the word.
    ↩︎

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