Genesis 6,13-22

Eigene Übersetzung

  1. Und Gott sprach zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor mich gekommen, denn die Erde ist von ihnen mit Gewalt erfüllt. Und siehe, sie werden die Erde verderben.
  2. Mach dir eine Arche aus Goferholz; Zellen sollst du für die Arche machen, und sie von innen und außen mit Pech bedecken.
  3. Und so sollst du sie machen: dreihundert Ellen die Länge der Arche, fünfzig Ellen ihre Weite und dreißig Ellen ihre Höhe.
  4. Ein Licht[?] sollst du für die Arche machen; nach der Elle sollst du es nach oben fertigstellen. Und die Tür der Arche sollst du an ihrer Seite anbringen; du sollst sie mit unterem, zweitem und drittem Stockwerk machen.
  5. Und ich, siehe, ich werde die Wasserflut über die Erde bringen, um alles Fleisch unter dem Himmel, in dem Atem des Lebens ist, zu vernichten; alles, was auf der Erde ist, wird umkommen.
  6. Aber ich will meinen Bund mit dir aufrichten und dich in die Arche bringen – dich, deine Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir.
  7. Und von allem Lebendigen, von allem Fleisch, sollst du zwei von allem in die Arche bringen, damit es mit dir am Leben bleibt; männlich und weiblich sollen sie sein.
  8. Von den Vögeln nach ihrer Art, von dem Vieh nach seiner Art und allem Kriechenden auf dem Erdboden nach seiner Art sollen jeweils zwei zu dir kommen, um am Leben zu bleiben.
  9. Und du, nimm von aller Speise, die man isst, und sammle sie bei dir; sie soll für dich und für sie zur Nahrung dienen.
  10. Und Noah machte es nach allem, was Gott ihm geboten hatte; so machte er es.

Kommentar

Gottes Entscheidung, die Erde zu vernichten, steht fest, doch Noah soll nicht mitvernichtet werden. Doch statt ihn einfach direkt zu schützen, fordert Gott ihn auf, selbst aktiv zu werden und die Arche zu bauen.

Die Bibel liefert dabei nur grobe Maße und Hinweise. Es ist unklar, ob Gott Noah einen exakten Bauplan gegeben hat oder lediglich die äußeren Parameter vorgab, sodass Noah die Innenaufteilung selbst gestalten konnte.

Flutmythen existieren weltweit viele in unterschiedlichen Versionen – mal detaillierter, mal weniger. Eines der bekanntesten ist das mesopotamische Gilgamesch-Epos. Darin wird die Arche Utanapishtims völlig quadratisch beschrieben, damit wäre sie völlig Ungeeignet um darauf zu leben und muss wohl symbolisch verstanden werden.1

Im Gegensatz dazu besitzt Noahs Arche exakt proportionale Maße, die nach modernen Maßstäben für Seetüchtigkeit Optimal ist.2 Sie ist stabil, kann viel Ladung tragen und ist für das Aufrechterhalten von Leben ausgelegt, ohne für Geschwindigkeit optimiert zu sein.3

Vers 16 erwähnt ein „Licht“, vermutlich ein Fenster oder eine Art Dachöffnung. Das hebräische Wort erscheint nur hier in der Bibel und lässt sich schwer eindeutig deuten.

In Vers 18 wird erstmals der Begriff Bund (בְּרִית, berit) verwendet. Dieser Gedanke – der Bund zwischen Gott und den Menschen – wird im gesamten Alten Testament zentral: Er zieht sich von Noah über Abraham, Mose und David bis zum „neuen Bund“ in Jeremia 31.4

Noah gehorcht exakt, wie es von einem gerechten und untadeligen Menschen zu erwarten ist. Er baut die Arche genau nach Gottes Anweisung.

Die Frage, wie realistisch es ist, dass alle heutigen Landlebewesen von denen in der Arche abstammen, wird in einer kommenden Andacht näher betrachtet.


Fragen zum Nachdenken

  1. Wieso fordert Gott Noah auf, eine Arche zu bauen, anstatt ihn direkt zu schützen?
  2. Wie erklärst du die vielen Flutmythen weltweit?
  3. Wieso wird hier zum ersten Mal der Bund erwähnt, obwohl es zuvor bereits treue Nachfolger Gottes gab?

Quellen

  1. „The Epic of Gilgamesh“, Assyrian International News Agency, PDF, Uruk-Warka, abgerufen am 28.11.2025, S. 20
    ‘In the first light of dawn all my household gathered round me, the children brought pitch and the men whatever was necessary. On the fifth day I laid the keel and the ribs, then I made fast the planking. The ground-space was one acre, each side of the deck measured one hundred and twenty cubits, making a square. I built six decks below, seven in all, I divided them into nine sections with bulkheads between. I drove in wedges where needed, I saw to the punt poles, and laid in supplies. The carriers brought oil in baskets, I poured pitch into the furnace and asphalt and oil; more oil was consumed in caulking, and more again the master of the boat took into his stores. I slaughtered bullocks for the people and every day I killed sheep. I gave the shipwrights wine to drink as though it were river water, raw wine and red wine and oil and white wine. There was feasting then as -there is at the time of the New Year’s festival; I myself anointed my head. On the seventh day the boat
    was complete.
    ↩︎
  2. James M. Freeman und Harold J. Chadwick, Manners & customs of the Bible (North Brunswick, NJ: Bridge-Logos Publishers, 1998), 9.
    The ark had a ratio (length × width × height) of 30 × 5 × 3. According to modern shipbuilders, this ratio represents an advanced knowledge of shipbuilding since it is the optimum design for stability in rough seas. The ark, as designed by God, was virtually impossible to capsize—to do so, it would have to be tilted over 90 degrees.
    ↩︎
  3. John M’Clintock und James Strong, „Noah’s Ark“, in Cyclopædia of Biblical, Theological, and Ecclesiastical Literature (New York: Harper & Brothers, Publishers, 1894) 147.
    It should be remembered that this huge structure was only intended to float on the water, and was not, in the proper sense of the word, a ship. It had neither mast, sail, nor rudder; it was, in fact, nothing but an enormous floating house, or oblong box rather, “as it is very likely,” says Sir W. Raleigh, “that the ark had fundum planum, a flat bottom, and not raysed in form of a ship, with a sharpness forward, to cut the waves for the better speed.” The figure which is commonly given to it by painters, there can be no doubt, is wrong. Two objects only were aimed at in its construction: the one was that it should have ample stowage, and the other that it should be able to keep steady upon the water. It was never intended to be carried to any great distance from the place where it was originally built. A curious proof of the suitability of the ark for the purpose for which it was intended was given by a Dutch merchant, Peter Jansen, the Mennonite, who in the year 1609 had a ship built at Hoorn of the same proportions (though of course not of the same size) as Noah’s ark (see Michaelis, Or. Bib. xviii, 27 sq.). It was 120 feet long, 20 broad, and 12 deep. This vessel, unsuitable as it was for quick voyages, was found remarkably well adapted for freightage. It was calculated that it would hold a third more lading than other vessels, without requiring more hands to work it. A similar experiment is also said to have been made in Denmark, where, according to Reyher, several vessels called “fleuten,” or floats, were built after the model of the ark. 
    ↩︎
  4. Zürcher Bibel (Zürich: Genossenschaft Verlag der Zürcher Bibel beim Theologischen Verlag Zürich, 2007).
    Bund wird zu einem theologischen Begriff, der die Beziehung zwischen JHWH und Israel beschreibt. Die Bundesformel ‹JHWH, der Gott Israels – Israel, das Volk JHWHs› bringt dieses Bundesverhältnis prägnant auf den Punkt. Von diesem Bundesgedanken her wird nun rückblickend die Geschichte Israels gedeutet und in Etappen eingeteilt. Die Vorfahren werden als Bundespartner Gottes gesehen: Noah im Blick auf die Schöpfung, Abraham im Blick auf Volk und Land, Mose im Blick auf die Weisung, David im Blick auf das Königtum. So wächst das theologisch Einmalige des biblischen Bundesverständnisses heran: Gott ist nicht Zeuge, sondern sowohl Urheber des Bundes wie auch Partner im Bund. Er bindet sich selbst und begibt sich auf Augenhöhe mit den Menschen. Er verbündet sich erst mit Einzelnen, dann mit dem Volk Israel, dann im «neuen Bund», der nach dem Scheitern der Staatlichkeit Israels verheissen wird (Jer 31), mit allen Menschen. Dass Gott dieses Bündnis erneuern will, obwohl es vonseiten der Menschen immer wieder gebrochen wurde, zeigt deutlich, wie sehr JHWH im Verständnis Israels der alleinige Initiant des Bundes ist.
    ↩︎

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