Genesis 7,1-10
Eigene Übersetzung
- Und Jahwe sprach zu Noah: Geh du und dein ganzes Haus in die Arche, denn ich habe dich gerecht vor mir gesehen in dieser Generation.
- Von allem reinen Vieh nimm dir je sieben, ein Männchen und ein Weibchen, und von allem Vieh, das nicht rein ist, zwei, ein Männchen und ein Weibchen.
- Auch von den Vögeln des Himmels sieben, Männchen und Weibchen, damit der Samen am Leben bleibt auf der ganzen Erde.
- Denn es sind nur noch sieben Tage, bis ich es auf der Erde regnen lasse – vierzig Tage und vierzig Nächte lang – und ich alles Bestehende, was ich gemacht habe, auf dem ganzen Erdboden vertilge.
- Und Noah machte es nach allem, was Jahwe ihm geboten hatte.
- Noah war sechshundert Jahre alt, als die Wasserflut auf die Erde kam.
- Und Noah ging mit seinen Söhnen und seiner Frau und den Frauen seiner Söhne in die Arche vor den Wassern der Sintflut.
- Von dem reinen Vieh und von dem Vieh, das nicht rein war, und von den Vögeln und allem, was auf dem Erdboden kriecht,
- gingen jeweils zwei zu Noah in die Arche, Männchen und Weibchen, wie es Gott Noah geboten hatte.
- Und es geschah nach sieben Tagen, und die Wasser der Flut kamen über die Erde.
Kommentar
Dieser Text wird gerne von Atheisten kritisiert. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Vielfalt der Erde in die Arche gepasst haben soll.
Diese Kritik ist sehr verständlich. Die Arche war zwar ein großes Boot, aber nicht das größte, das je gebaut wurde. Heutige Ozeanriesen sind deutlich größer als die Arche, und auch da ist es nicht einfach vorstellbar, jede Tierart, die wir kennen, als Paare unterzubringen.
Wir wissen aber auch, dass viele Tiere miteinander verwandt sind. Zum Beispiel hätten sicher nicht Schäferhund, Chihuahua und Dogge in die Arche gemusst; ein paar Wölfe hätten das nötige Erbgut erhalten können.
Die genaue Rechnung ist jedoch nicht so einfach, da wir zunächst bestimmen müssen, welche Tiere biologisch kompatibel sind. Bei Hunden wissen wir das recht sicher, aber bei vielen wilden Tieren gab es keine Paarungsversuche oder Genanalysen, die hier Sicherheit geben könnten. Zudem gibt es Tiere, die sich sehr ähnlich sind, aber keine zeugungsfähigen Nachkommen bekommen können.
Die biologische Definition der Art unterscheidet sich jedoch sicher von dem, was in der Schöpfungsgeschichte als Art bezeichnet wird, da viele Tiere innerhalb einer biologischen Art nicht genetisch kompatibel sind.
Dennoch gab es schon viele Rechnungen, die zeigen, dass es möglich gewesen sein könnte.1 Da diese Rechnungen generell zeigen, dass noch viel Platz übrig gewesen wäre, ist es plausibel, auch Unsicherheiten in der Klassifizierung und ausgestorbene Arten als Puffer zu berücksichtigen.
Und ja, er hätte auch Dinosaurier mit auf die Arche nehmen können, falls er Jungtiere mitgenommen hat und nicht ausgewachsene Exemplare.2
Es als unmögliches Märchen abzutun, wäre hier also nicht passend. Es scheint unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (auch wenn die Arche sicherlich kein angenehmer Ort war).
Interessant ist, dass bei Noah schon zwischen rein und unrein unterschieden wird. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Unterscheidung schon vorher bekannt war und auch vor der Flut nur reine Tiere als Opfer gebracht wurden. Es könnte aber auch sein, dass Gott ihm die Definition für rein und unrein gegeben hat und sie vorher nicht bekannt war.3
In jedem Fall ist es interessant, dass laut diesem Text die Definition von rein und unrein schon lange vor der Gesetzgebung am Sinai existierte. Der Text sagt jedoch nicht, ob die Unterscheidung von rein und unrein schon als Speisegebot galt oder nur für Opferzwecke gegeben wurde. Da jedoch nach der Flut das Fleischessen ausdrücklich von Gott erlaubt wird, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass dies mit dem Hinblick gegeben wurde, dass nur die gegessen werden, von denen ohnehin mehr vorhanden waren.
Dabei fällt zudem auf, dass nur bei den Landtieren zwischen rein und unrein unterschieden wird. Bei den Vögeln hingegen wird unabhängig von einer solchen Klassifizierung die gleiche höhere Anzahl mitgenommen wie bei den reinen Landtieren. Der Text begründet nicht, warum dies so ist. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass es für Landtiere klare Kriterien zur Unterscheidung von rein und unrein gibt, während es bei den Vögeln lediglich eine Liste unreiner Arten gibt und keine allgemeine Regel zur Bestimmung.
Dass die Zahl exakt sieben Paare sein soll, hat wahrscheinlich nicht nur praktische, sondern auch symbolische Gründe. Wie auch bei den Tagen ist die Wiederholung von biblisch signifikanten Zahlen wie 7 und 40 zu finden.
Manchmal kommt noch die Kritik hinzu, dass zwei Exemplare doch nicht ausreichen würden, um die Welt zu bevölkern, da viele Tierarten, wenn sie nicht eine bestimmte Mindestpopulation haben, recht schnell an Erbkrankheiten aussterben. Eine einfache Antwort könnte jedoch sein, dass die Tiere zu der Zeit genetisch noch viel reiner waren und Erbkrankheiten noch kein Problem darstellten, selbst beim Menschen gab es noch lange problemlosen Inzest bist Gott es Israel verboten hat. Zudem scheint es eigenartig, dass manche Atheisten, die eine Evolutionstheorie vertreten, kritisieren, dass zwei Tiere nicht genug für die Fortpflanzung wären, dann aber annehmen, dass mehr als zwei aus nicht nachweisbaren Zufallsprodukten gleichzeitig entstanden sein müssten, um die Fortpflanzung in ihrer Theorie zu sichern.
In der vorherigen Betrachtung konnten wir feststellen, dass die Arche und die Flut laut der Bibel als tatsächliches Ereignis und nicht nur als mythologische Idee verstanden werden sollen. Hier zeigt sich, dass die Parameter der Größe der Arche tatsächlich ausreichend gewesen wären, um die Tiervielfalt, die wir heute haben, zu erhalten.
Fragen zum Nachdenken
- Warum wird rein und unrein hier das erste Mal erwähnt?
- Warum wird gesagt, dass von allen Vögeln je sieben Paare genommen werden (also auch von unreinen)?
- Gibt es einen Grund, dass bei Landtieren „Männchen und Weibchen“ (זָכָר וּנְקֵבָה) und bei Vögeln „männlich und weiblich“ (זָכָר וְנְקֵבָה) gesagt wird?
- Warum gehen Noah, seine Familie und die Tiere bereits sieben Tage vor der Flut in die Arche?
Quellen
- Vgl. H. F. Vos, „Flood (Genesis)“, in The International Standard Bible Encyclopedia, Revised, hg. von Geoffrey W. Bromiley (Wm. B. Eerdmans, 1979–1988) 316–317.↩︎The problem of determining the number of animals involved is complicated by the difficulty of deciding whether only certain parent types (dog, cat, cow) or more numerous representations were involved. Some 4500 species of mammals and some 8,650 species of birds exist on earth today.
Various computations have been made to demonstrate that the ark was large enough to house the required number of species. On the generous side, LaHaye and Morris settled on a figure of 50,000 animals that would need to have been housed in the ark, averaging in size a little smaller than a sheep. They conclude that these would fill only about one-third of the capacity of the ark, leaving plenty of space for storage (p. 247). Though the various estimates do show the feasibility of protecting fauna against even a global flood, one need not be dogmatic about the way it was accomplished. Another unanswered question is how Noah rounded up all those animals and birds. It may be that God somehow compelled or impelled the fauna to move toward Noah and the ark in advance of boarding day (cf. Gen. 6:20). - Vgl. Richard M. Davidson, „How Could Every Species Be Preserved on the Ark? What about the Dinosaurs?“, in Interpreting Scripture: Bible Questions and Answers, hg. von Gerhard Pfandl, Bd. 2 of Biblical Research Institute Studies (Silver Spring, MD: Biblical Research Institute, 2010), 139.↩︎Although there is no specific Hebrew word that can be translated as “dinosaur,” the biblical Creation account does indicate that God created tanninim “great sea creatures” (Gen 1:21) and every behemah, “powerful animal” (Gen 1:24), that could, well have included what we today call dinosaurs. Each type of animal made by God would have been preserved on the ark (Gen 9:10), but the larger ones might have been represented by young animals who were still small in size.
- Michael Carasik, Hrsg., Genesis: Introduction and Commentary, übers. von Michael Carasik, The Commentators’ Bible (Philadelphia: The Jewish Publication Society, 2018), 72.↩︎KIMHI
Of every clean animal you shall take seven pairs. The seven pairs were not all for Noah to offer up when he came out of the ark. Fewer than seven pairs would have been plenty, since we do not see him offering sacrifice more than once. If he did indeed offer sacrifice again, after a year or two he could have brought the offerings from the offspring of the animals he took onto the ark. In fact, the Holy One intended the seven pairs of clean animals to provide food for Noah and his descendants, since at this point He intended to permit the eating of meat, which had previously been forbidden. People were certainly not forbidden to eat the unclean animals until that prohibition was given to the Israelites (see 9:3). But the clean animals are generally better for human beings to eat, and indeed even the other nations do not generally eat the unclean animals except from hunger. It is pointless to ask, Why seven and not six or eight? The Holy One in His wisdom knew that seven was both necessary and sufficient, and that the ark would not hold more than this.
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