Genesis 5,6-20

Eigene Übersetzung

  1. Und Set lebte einhundertfünf Jahre und zeugte Enosch.
  2. Und Set lebte, nachdem er Enosch gezeugt hatte, achthundertsieben Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  3. Und alle Tage Sets waren neunhundertzwölf Jahre, und er starb.
  4. Und Enosch lebte neunzig Jahre und zeugte Kenan.
  5. Und Enosch lebte, nachdem er Kenan gezeugt hatte, achthundertfünfzehn Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  6. Und alle Tage Enoschs waren neunhundertneun Jahre, und er starb.
  7. Und Kenan lebte siebzig Jahre und zeugte Mehalalel.
  8. Und Kenan lebte, nachdem er Mehalalel gezeugt hatte, achthundertvierzig Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  9. Und alle Tage Kenans waren neunhundertzehn Jahre, und er starb.
  10. Und Mehalalel lebte fünfundsechzig Jahre und zeugte Jared.
  11. Und Mehalalel lebte, nachdem er Jared gezeugt hatte, achthundertdreißig Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  12. Und alle Tage Mehalalels waren achthundertfünfundneunzig Jahre, und er starb.
  13. Und Jared lebte einhundertzweiunddreißig Jahre und zeugte Henoch.
  14. Und Jared lebte nachdem er Henoch gezeugt hatte achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  15. Und alle Tage Jareds waren neunhundertzweiundsechzig Jahre und er starb.

Kommentar

Oft überliest man Geschlechtsregister ja eher, als dass man sie wirklich betrachtet. Sie enthalten enorm viel Wiederholung; nur Namen und Jahreszahlen ändern sich.

Interessanterweise war Wiederholung in altorientalischen Texten gar nicht ungewöhnlich.1Douglas Mangum, Miles Custis, und Wendy Widder, Genesis 12–50, Lexham Research Commentaries (Bellingham, WA: Lexham Press, 2013)

Auch der Gilgamesch-Epos enthält sehr viel Wiederholung, teils wird dieselbe Szene zwei- oder dreimal nahezu wortgleich wiederholt – also sogar weit stärker als hier.

Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, wie aufwendig der Schreibprozess und wie teuer das Schreibmaterial damals gewesen sein müssen.

Ich selbst bin ein Mensch, der gerne möglichst dichte Information hat. Ich höre alles auf doppelter Geschwindigkeit und manchmal stört mich sogar, dass viele Player nicht noch höhere Geschwindigkeiten erlauben. Wenn ich ein Hörbuch oder Video auf normaler Geschwindigkeit höre, habe ich oft das Gefühl, dass meine Gedanken noch schneller abschalten, weil alles so langsam wirkt.

Wenn frühere Kulturen jedoch in ihren wichtigsten und am meisten geschätzten Texten so viel Wiederholung einbauten, liegt der Verdacht nahe, dass sie diese ganz anders wahrnahmen und nicht dieselbe Haltung hatten wie wir im Informationszeitalter.

Tatsächlich muss auch ich sagen, dass es schön sein kann, wenn man sich auf eine alte epische Geschichte wie den Gilgamesch-Epos einlässt und die Wiederholungen mit anhört.2z.B. im Biblical World Podcast von OnScript https://onscript.study/amy-and-chris-epic-of-gilgamesh-part-1/ Diese machen die Erzählung irgendwie noch epischer und verstärken ihre Wirkung. Beim Hören empfinde ich das oft stärker als beim Lesen. Vermutlich wurden auch die Menschen früher viel häufiger hören als lesen – bei so wenigen Kopien von Texten war es viel einfacher, Geschichten mündlich weiterzugeben oder vor Gruppen vorzulesen, statt jeder Person eine eigene Abschrift zu geben.

Manche haben dann in den Geschlechtsregistern die Namensbedeutungen studiert und meinen, darin bedeutende Botschaften zu finden. Das kann durchaus sein. Ich habe auf meinem Bibeltagebuch auch eine Weile lang Namen intensiver betrachtet, es aber wieder aufgegeben.

Ansonsten zeigt der Text eine Linie der vorsintflutlichen Menschen. Was sie gemeinsam haben, ist, dass sie alle sehr alt werden. Und da sie alle „Söhne und Töchter“ zeugten, scheint es, dass sehr viele Menschen in relativ kurzer Zeit die Welt bevölkert haben müssten.

Lange dachte ich, es handele sich hier um eine Linie der Erstgeborenen. Der Text sagt das aber nirgendwo. Im Abschnitt davor wird zwar Set als Adams Sohn benannt, aber er war vermutlich frühestens das dritte Kind Adams. Außerdem bekommen die Männer hier alle in relativ hohem Alter die im Text erwähnten Kinder. Bedeutet das, dass sie erst dann anfingen, Kinder zu bekommen? Oder hatten sie vielleicht schon früher welche?

Mir scheint, dass es auch einfach eine Auswahl sein könnte – also rückblickend die Ahnenreihe Noahs, nicht notwendigerweise die Linie der Erstgeborenen.


Fragen zum Nachdenken

  1. Wie wirken Geschlechtsregister auf dich?
  2. Welche Vor- und Nachteile siehst du in unserem Informationszeitalter?
  3. Warum wird das „und zeugte Söhne und Töchter“ so mantramäßig wiederholt

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