Genesis 1,20–23
Eigene Übersetzung
- Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von wimmelnden, lebenden Seelen, und Vögel sollen fliegen über der Erde an der Feste des Himmels.
- Und Gott schuf die großen Seeungeheuer und alle schwärmenden lebendigen Seelen, von denen das Wasser wimmelt, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war.
- Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich auf der Erde vermehren.
- Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.
Kommentar
Am fünften Tag schuf Gott Fische und Vögel. Die ersten lebendigen Seelen auf der Erde.
Hier sieht man, dass zumindest das hebräische Wort für „Seele“ ganz klar auch für alle Tiere gilt — selbst für Fische und Vögel. Hier sind Fische und Vögel wohl nicht nach unserer biologischen Einordnung verstanden, sondern es sind alle fliegenden und alle schwimmenden Tiere gemeint.
Hier kommen auch die Seeungeheuer vor. Wohlmöglich sind hier Wale und Meeresaurier gemeint; sicher wird der Israelit hier auch an den Leviathan gedacht haben.
Interessant ist der Hinweis auf schwärmende Fische. Fischschwärme sind meist recht groß. Das scheint darauf hinzuweisen, dass die Fische (und sicher auch die Vögel sowie die Tiere am nächsten Tag) in großer Zahl geschaffen wurden und nicht nur als einzelnes Paar wie es beim Menschen war.1Geerhardus Vos, Reformed Dogmatics, hg. & übers. von Richard B. Gaffin Jr. (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012–2016), 173.
Eigenartig scheint die Formulierung „an der Feste des Himmels“, wo doch über dieser Feste das Wasser war. Das Hebräische hat jedoch kein eigenes Wort für „Luft“, daher wird das Wort wohl auch für den Raum dazwischen genutzt.2Geerhardus Vos, Reformed Dogmatics, 173.
Sowohl Fische als auch Vögel legen Eier, aus denen ihre Nachkommen schlüpfen. Vielleicht gibt es einen Zusammenhang dazu, dass sie am gleichen Tag geschaffen wurden (wobei auch Wale etc. geschaffen wurden, auf die dies nicht zutrifft).
Es ist offensichtlich, dass die hier geschaffenen Wesen sich stark von den Pflanzen unterscheiden. Die Pflanzen wurden nicht gesegnet und ihnen wird auch keine lebendige Seele zugeordnet.
Auch sieht man dies stark in der Struktur des Schöpfungsberichts: Die ersten drei Tage schufen Räume, die weiteren drei füllen diese. Die Pflanzen waren also Teil des Raumes, nicht seiner Füllung.
| 1. | Licht | 4. | Gestirne |
| 2. | Wasser / Luft | 5. | Fische & Vögel |
| 3. | Erde & Pflanzen | 6. | Landtiere & Menschen |
Doch während dieses Muster so klar ist, dass es sicher Absicht ist, ändert es nichts daran, dass — wie gestern betrachtet — die Gestirne ganz bewusst als Objekte ohne eigenen Willen geschaffen wurden, was für die Wesen am 5. und 6. Tag nicht gilt.
Fragen zum Nachdenken
- Wieso scheint Gott so viele Exemplare jeder Tierart zu schaffen, aber später nur zwei Menschen?
- Was sagt es über Gott, dass er die Wasser wimmelnd und die Lüfte voller Vögel haben möchte?
- Könnte es einen Grund geben, warum die ersten geschaffenen Tiere Eier legen?
- 1Geerhardus Vos, Reformed Dogmatics, hg. & übers. von Richard B. Gaffin Jr. (Bellingham, WA: Lexham Press, 2012–2016), 173.
- 2Geerhardus Vos, Reformed Dogmatics, 173.
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