Genesis 41,9–36

  1. Und der Oberste der Mundschenke sprach zu Pharao: Meine Verfehlung fällt mir heute ein.
  2. Der Pharao war zornig auf seinen Diener und gab mich in Gewahrsam im Haus des Obersten der Leibwache, mich und den Obersten der Bäcker.
  3. Und wir träumten Träume in einer Nacht, ich und er, ein jeder einen Traum nach seiner Auslegung.
  4. Doch dort bei uns gab es einen Jüngling, einen hebräischen Sklaven des Obersten der Leibwache, und wir erzählten ihm, und er legte uns unsere Träume aus; einem jeden legte er seinen Traum aus.
  5. Und es geschah, so wie er es uns ausgelegt hatte, so geschah es auch: Ich wurde an mein Amt zurückgebracht, und er wurde aufgehängt.
  6. Da sandte Pharao und ließ Joseph rufen und ließ ihn schnell aus dem Loch holen, und man rasierte ihn und wechselte seine Kleider, und er kam zu Pharao.
  7. Und Pharao sprach zu Joseph: Ich habe einen Traum geträumt, aber es gibt keinen Ausleger für ihn; doch ich habe gehört über dich: Er hört einen Traum und legt ihn aus.
  8. Und Joseph antwortete dem Pharao: Es ist nicht bei mir. Gott wird dem Pharao mit Frieden antworten.
  9. Und Pharao erzählte dem Joseph: In meinem Traum, siehe, ich stand am Ufer des Nils.
  10. Und siehe, aus dem Nil stiegen sieben fette und schöne Kühe auf, und sie weideten im Riedgras.
  11. Aber siehe, sieben andere Kühe stiegen nach ihnen auf, schwach, sehr hässlich und dünn; ich habe in ganz Ägypten noch keine gesehen, so schlecht wie diese.
  12. Und die dünnen und hässlichen Kühe aßen die sieben ersten, fetten Kühe.
  13. Und als sie in ihrem Inneren angekommen waren, konnte man es nicht erkennen, dass sie in ihr Innerstes gekommen waren; denn ihr Aussehen war so schlecht wie am Anfang. Und ich wachte auf.
  14. Und ich sah in meinem Traum, und siehe, sieben Ähren stiegen in einem Halm auf, voll und gut.
  15. Doch siehe, sieben dünne, unfruchtbare Ähren, vom Ostwind versengt, sprossten nach ihnen auf.
  16. Und die sieben dünnen Ähren verschlangen die sieben guten Ähren. Und ich sagte es meinen Magiern, aber sie konnten es mir nicht berichten.
  17. Da sprach Joseph zu Pharao: Pharaos Traum ist einer. Das, was Gott tun wird, hat er Pharao berichtet.
  18. Die sieben guten Kühe sind sieben Jahre, und die sieben guten Ähren sind sieben Jahre. Es ist ein Traum.
  19. Die sieben dünnen und schlechten Kühe, die nach ihnen aufstiegen, sie sind sieben Jahre; und die sieben schlechten und vom Ostwind versengten Ähren, sie sind sieben Jahre Hungersnot.
  20. Das ist die Sache, die ich zum Pharao geredet habe, die Gott hat Pharao sehen lassen, was er tun wird.
  21. Siehe, sieben Jahre werden eintreffen, mit großer Sättigung im ganzen Land Ägypten.
  22. Und sieben Jahre der Hungersnot werden nach diesen aufstehen, und alle Sättigung des Landes Ägyptens wird vergessen werden, und die Hungersnot wird das Land aufbrauchen.
  23. Und die Sättigung wird im Land nicht mehr gekannt werden wegen dieser Hungersnot nach ihr; denn sie wird sehr schwer sein.
  24. Und dass der Traum für Pharao zweimal wiederholt wurde, das ist, weil die Sache bei Gott fest ist, und Gott wird sich beeilen, es zu tun.
  25. Und nun, der Pharao ersehe einen klugen und weisen Mann, den er über das Land Ägypten bestelle.
  26. Und Pharao mache es so: Er bestelle Beamte über das Land und erhebe den Fünften des Landes Ägyptens in den Jahren der Sättigung.
  27. Und er sammle die ganze Nahrung dieser guten Jahre, die kommen, und häufe das Getreide unter der Hand des Pharaos, Nahrung in den Städten. Und er bewahre es.
  28. Und es soll Nahrung sein als Vorrat des Landes für die sieben Jahre der Hungersnot, welche ins Land Ägypten kommen wird, damit das Land nicht ausgerottet wird in der Hungersnot.

Gedanken zum Text

Hier bestätigt sich noch einmal, dass Joseph womöglich kein Gefangener im Gefängnis war, sondern lediglich versetzt wurde im Haus des Potiphar – dass er nicht mehr Haussklave war, sondern Diener im Gefängnis. Zumindest beschreibt ihn der Mundschenk so.

In der Szene im Gefängnis habe ich erwähnt, dass aufgrund des fehlenden Verbs es gelesen werden könnte als „Auslegungen ist Sache der Götter“ – also ohne bestimmten Bezug darauf, dass es nur einen wahren Gott gibt. Diese Unklarheit gibt es hier nicht; hier nutzt er auch Verben, und anders als Abraham nutzt er den Singular.

In Vers 32 sagt er, dass die zweifache Wiederholung des Traums bedeutet, dass es bei Gott sicher ist und bald geschehen wird. Dies erinnert daran, dass auch Joseph seinen Traum, der Herrscher über seine Brüder zu sein, zweimal bekommen hat. Schwer vorstellbar, dass es nur Zufall ist…


Fragen zum Nachdenken

  • Warum berichtet Gott über die kommende Hungersnot, statt sie zu verhindern?
  • Wieso wird für die Vorratshaltung der Fünfte gewählt?

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