Genesis 11,16-25

Eigene Übersetzung

  1. Und Eber lebte vierunddreißig Jahre und zeugte Peleg.
  2. Und Eber lebte, nachdem er Peleg gezeugt hatte, vierhundertdreißig Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  3. Und Peleg lebte dreißig Jahre und zeugte Regu.
  4. Und Peleg lebte, nachdem er Regu gezeugt hatte, zweihundertneun Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  5. Und Regu lebte zweiunddreißig Jahre und zeugte Serug.
  6. Und Regu lebte, nachdem er Serug gezeugt hatte, zweihundertsieben Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  7. Und Serug lebte dreißig Jahre und zeugte Nahor.
  8. Und Serug lebte, nachdem er Nahor gezeugt hatte, zweihundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter.
  9. Und Nahor lebte neunundzwanzig Jahre und zeugte Terach.
  10. Und Nahor lebte, nachdem er Terach gezeugt hatte, einhundertneunzehn Jahre und zeugte Söhne und Töchter.

Personen

Eber (עֵבֶר) – überqueren
Peleg (פֶּלֶג) – Teil
Regu (רְעוּ) – Freund
Serug (שְׂרוּג) – Schnur
Nahor (נָחוֹר) – Bedeutung unklar, kommt vielleicht von נחר „schnauben“
Terach (תָּרַח) – zaudern

Gedanken zum Text

Das Geschlechtsregister setzt sich fort und führt schließlich zu Abraham. Es folgt stets dem Muster, dass nur ein Sohn genannt wird, was zeigt, dass das Ziel nicht ein umfassender Stammbaum ist, sondern die direkte Linie zu Abraham, Israel und letztendlich dem Messias.

Auffällig ist, dass zwischen Eber und Peleg die Lebenserwartung drastisch sinkt – um fast 50 %. Dies erscheint ungewöhnlich.

Zwar gibt die Bibel an, dass Gott die Lebenserwartung verkürzt, und die veränderten Bedingungen nach der Flut könnten dazu beigetragen haben, doch dass die Lebensspanne sich innerhalb einer Generation halbiert, statt langsam abzunehmen, bleibt bemerkenswert.

Noch merkwürdiger ist, dass zur Zeit Abrahams offenbar noch Menschen lebten, die über 400 Jahre alt wurden, während Abraham mit 175 Jahren als alt galt.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Abstammungslinie hier Lücken aufweist. An anderen Stellen der Bibel sehen wir, dass genealogische Auflistungen nicht immer vollständig sind und dennoch das Wort „zeugen“ oder „gebären“ verwendet wird. Der Gedanke dahinter könnte sein, dass mein Sohn nur geboren wurde, weil mein Vater mich gezeugt hat – also hat mein Vater in einem erweiterten Sinn auch meinen Sohn gezeugt.

Die Konsequenz solcher Lücken wäre, dass jegliche Berechnung des Alters der Erde oder der Zeit vor Abraham anhand der Genealogien nicht möglich wäre.

Früher hätte ich dies als einen Versuch gesehen, die Bibel mit der Evolutionstheorie zu vereinbaren, doch das ist nicht der Fall. Selbst wenn Lücken bestehen, würden sie das Alter der Erde nur um einige tausend Jahre verlängern – keineswegs aber evolutionäre Zeiträume von Millionen Jahren ermöglichen.

Ein solches Verständnis könnte helfen, archäologische und ägyptische Geschichtsdaten besser einzuordnen, da diese sich weiter zurückverfolgen lassen, als es bei einer streng 6000 Jahre alten Erde mit Sintflut logisch wäre. Dennoch würde es nichts an der Vorstellung einer sechstägigen Schöpfung oder einer relativ jungen Erde ändern.

Fragen zum Nachdenken

  • Was denkst du über die plötzlich kürzer werdende Lebenserwartung? Würdest du meiner Ausführung zustimmen?
  • Wie muss es wohl gewesen sein, über 400 Jahre alt in einer Welt geworden sein, ohne unsere Technik und mit nur wenigen Menschen?
  • Wie gehst du damit um, dass die Bibel nur den ihr wichtigen Abschnitt der Erlösungsgeschichte abdeckt, und nicht versucht ein wissenschaftliches Werk zu sein?

5 Kommentare

  1. 1. Der Stammbaum würde keinen Sinn machen, wenn er Lücken aufweist.
    2. Nenne bitte einen Stammbaum im AT wo die genealogische Auflistung nicht vollständig ist.
    3. Wo genau soll da eine Lücke sein? Wenn Eber 34 Jahre alt war, als er Peleg zeugte und Peleg 30 Jahre alt war, als er Regu zeugte, dann wurde Regu geboren als Eber 34+30=64 Jahre alt war. Usw.

    1. Die Annahme, dass der Stammbaum keinen Sinn ergebe, falls er Lücken enthält, beruht auf der modernen Vorstellung, dass Genealogien linear und lückenlos sein müssten. Für alt-nahöstliche Genealogien trifft dies jedoch nicht zu.[1]
      Der Ausdruck „Vater“ (’āb) bezeichnet im Biblischen Hebräisch nicht zwingend den unmittelbaren biologischen Vater, sondern kann sich auf jeden männlichen Vorfahren beziehen.[2] (Vgl. z. B. Gen 28,13; 1 Kön 15,11.) Ebenso muss das Verb יָלַד (yālad) nicht das direkte Zeugen einer bestimmten Person meinen, sondern kann auch das Hervorbringen einer Linie bezeichnen, aus der später eine Person hervorgeht.[3]
      Das Neue Testament zeigt selbst, dass genealogische Kürzungen literarisch üblich waren: In Matthäus 1 werden mehrere Könige ausgelassen, dennoch heißt es, Joram habe Usija „gezeugt“ — offenbar im Dienst der Struktur von drei Vierzehnergruppen. Auch in Ex 6,14–20 ist der Stammbaum Moses offensichtlich verkürzt. Da der Autor wenige Kapitel später von 430 Jahren Aufenthalt in Ägypten spricht (Ex 12,40), war ihm die Unvollständigkeit seiner Genealogie sicher bewusst.
      Genealogische Lücken sind daher kein Indiz für Widersprüche, sondern ein bekanntes Phänomen antiker Textkultur. Wer diese Möglichkeit grundsätzlich ausschließt, legt moderne Erwartungen an einen vormodernen Text an. In biblischen und außerbiblischen Quellen des Alten Orients treten solche gekürzten Genealogien regelmäßig auf; es ist somit methodisch sinnvoll, auch hier damit zu rechnen.
      Wenn man eine Tradition vertritt, die von einer streng wörtlichen Verbalinspiration ausgeht, mag eine solche Textgestaltung irritieren. Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive jedoch spricht der Befund dafür, dass die Genealogie bewusst verdichtet ist. Das bedeutet auch, dass — falls man von einer historischen Sintflut ausgeht — diese deutlich weiter zurückliegen kann als in Berechnungen, die auf einer strikt lückenlosen Genealogie beruhen.
      Hinzu kommt, dass die textkritische Überlieferungslage der Zahlen selbst unsicher ist. Dies kann man entweder als Angriffspunkt gegen die Zuverlässigkeit der Bibel nutzen oder als Hinweis verstehen, dass die Absicht des Textes nicht in einer präzisen Chronologie liegt. Die theologische Botschaft bleibt von solchen Variationen jedenfalls unberührt.
      [1] Vgl. R. K. Harrison, „Genealogy“, in The International Standard Bible Encyclopedia, Rev. ed., hg. von Geoffrey W. Bromiley (Grand Rapids: Eerdmans, 1979–1988), 2:427.

      Zitat anzeigen ▼

      Genealogies are not unique to biblical literature. There are few preserved genealogies from Sumerian or Mesopotamian sources, and where they do exist they are generally very brief, spanning only a few generations. […] Genealogies are rarely included in biblical narrative purely to preserve objective historical data. They are thus not always comprehensive, omitting some generations because they were either superfluous to the author’s aim or disrupted the literary format the author was using. Omitting generations in a genealogy is known as “telescoping” and is evident in a number of biblical genealogies, including 1 Chr 5:3–14 and Ezra 7:1–5. In the New Testament, telescoping may account for the fact that Matt 1:12–17 only records 11 generations from Zerubbabel to Jesus, whereas Luke 3:23–27 lists 20 generations (Rendsburg, “Internal Consistency,” 201). This phenomenon is also evident in nonbiblical genealogies such as the Abydos King List from Egypt, which omits three groups of kings (the Ninth to early Eleventh Dynasties, the Thirteenth to Seventeenth Dynasties, and the Amarna pharaohs) at three separate points in an otherwise continuous series (Kitchen, Ancient Orient, 38).

      [2] Vgl. Gary A. Rendsburg & Jeremy D. Smoak, „Kinship Terms“, in Encyclopedia of Hebrew Language and Linguistics, hg. von Geoffrey Khan (Leiden/Boston: Brill, 2013), 2:471.

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      In similar fashion, the term אָב ʾå̄ḇ ‘father’ typically refers to one’s literal father (e.g., Gen. 19:31; 22:7), but in several places serves to designate a grandfather (e.g., Gen. 28:13; 32:10—in both cases with reference to Abraham vis-à-vis Jacob), a great-grandfather (e.g., 1 Kgs 15:11, with reference to David vis-à-vis Asa), or simply a distant male ancestor, especially with reference to David as the establisher of a royal line (e.g., 2 Kgs 22:2). In the plural form, אָבוֹת ʾå̄ḇōṯ ‘fathers’, the term may refer to one’s male ancestors collectively, whether in royal context (e.g., 1 Kgs 22:51) or in non-royal context (e.g., 1 Kgs 21:3–4).

      [3] Vgl R. C. Sproul, Hrsg., The Reformation Study Bible: English Standard Version (Orlando, FL; Lake Mary, FL: Ligonier Ministries, 2005), 17.

      Zitat anzeigen ▼

      Because the Hebrew word translated “fathered” often means “became the ancestor of,” and because some of the numbers appear to be symbolic, many scholars argue that there are gaps in these genealogies, and that they therefore cannot be used to compute a precise chronology. The significant seventh generation of each genealogy marks a high point—the height of wickedness in the Cainite Lamech (4:18–24), and the height of godliness in the Sethite Enoch (vv. 18–24; cf. vv. 21–24 note). The figure of ten generations from Seth to Noah (vv. 3–32) matches the ten generations from Shem to Abram in 11:10–26 (this latter genealogy appears to contain gaps, 11:10–26 note; cf. Matt. 1:17 note). Also, the ages of some antediluvians may be symbolic, and are perhaps related to astronomical periods known to the ancient Near Eastern peoples (e.g., the three hundred sixty-five years of Enoch’s life, vv. 21–24 note).

      1. Bitte zitiere das nächste Mal deine Quelle! Nicht jeder hat die von dir genannte Literatur und kann darin nachlesen.
        Der Ausdruck „Vater“ (’āb) kommt hier im Text gar nicht vor und selbst wenn du das Verb יָלַד (yālad) in einem anderen Sinne verwendest, so ändert das ja nichts an den Jahreszahlen.
        Mir scheint, dass du nur ein Schlupfloch suchst, um die Angaben der biblischen Zeiten in die Länge zu ziehen, da sie nicht mit moderner Wissenschaft übereinstimmen.

        Ich hab dich nach einem Stammbaum im AT gefragt, wo die genealogische Auflistung nicht vollständig ist. Du hat keinen geliefert, also woher willst du nun wissen, dass die Stammbäume unvollständig sind? Nur weil in irgendwelchen anderen Kulturen gekürzte Stammbäume existieren? Das wäre jedenfalls ein sehr schwaches Argument.
        Wie das neue Testament mit Stammbäumen umgeht, ist hier irrelevant.

        Der Stammbaum aus Ex 6,14–20 wird in Num. 26,57-59 bestätigt. Da zu behaupten, er wäre verkürzt, nur um einen (nicht ganz so offensichtlichen) Widerspruch zu entkräften ist wieder schwach argumentiert.

        Wo genau da jetzt im Text eine Lücke sein soll, hast du mir noch immer nicht beantwortet.

        1. Markus, ein konkretes Beispiel für Lücken findet sich, wenn man 1. Chronik 5 mit Esra 7 vergleicht: Bei Esra fehlen mehrere Priester, die in 1. Chronik 5 noch genannt werden. Theologen gehen sogar davon aus, dass die längere Liste in 1. Chronik 5 nicht vollständig ist.
          Die wenigen Stammbäume mit Jahreszahlen im Alten Testament erlauben es nicht, die Vollständigkeit allgemein zu überprüfen; das schließt aber nicht aus, dass Lücken vorkommen könnten. Dass in benachbarten Kulturen Genealogien bewusst verdichtet wurden, stützt diese Annahme.
          Zum Zweck meines Blogs: Es geht mir nicht darum, die Bibel als Beleg für den Glauben oder für moderne Wissenschaft zu rechtfertigen, sondern den Text möglichst ehrlich zu betrachten und daraus zu lernen, wie die Menschen in der Zeit der biblischen Schreiber gedacht und geglaubt haben. Ich gehe davon aus, dass wir durch den Text von Gott lernen können. Es ist gut und wichtig, den eigenen Glauben zu hinterfragen; die Andachten und Bibelstudien auf diesem Blog dienen diesem Zweck jedoch nicht – solchen Fragen gehe ich auf andere Weisen nach.

          1. Schau dir doch mal an, was genau in Esra 7 fehlt. In 1. Chronik 5 sind Amarja und Ahitub doppelt (V. 33 & V. 37). Da ist es doch offensichtlich, dass es sich in Esra um einen Augenfehler (Zeile überspringen, ähnliche Endungen verwechseln usw.) des Abschreiber handelt. Von einer bewussten Verkürzung kann hier keine Rede sein!

            Wir haben einen durchgehenden Stammbaum von Adam bis Jesus.
            Details dazu siehe „Zur Chronologie des Alten Testaments“ von Roger Liebi:
            https://info2.sermon-online.com/german/RogerLiebi/Zur_Chronologie_Des_Alten_Testaments_200605.pdf

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