Deuteronomium 15,7-11
Eigene Übersetzung
7) Wenn es bei dir einen Armen gibt von deinen Brüdern in irgendeinem deiner Tore in deinem Land, dass Jahwe dein Gott dir gibt, dann verhärte sein Herz nicht von ihm und verschließe nicht deine Hand vor deinem armen Bruder.
8) Sondern weit öffnen sollst du deine Hand für ihn und ihm willig ausleihen, was für seinen Mangel ausreicht, das was ihm fehlt.
9) Behüte dich, dass keine boshafte Sache mit deinem Herzen ist, sagend: Das siebte Jahr ist nahe, das Jahr des Schuldenerlasses und dein Auge böse ist gegen deinen armen Bruder und ihm nicht gibt und dieser wegen dir zu Jahwe ruft, dann es wäre Sünde an dir.
10) Gewisslich sollst du ihm geben und nicht dein Herz soll nicht böse sein wenn du ihm gibst, denn denn wegen dieser Sache segnet Jahwe dein Gott dich in allen was du tust und immer wenn du deine Hand ausstreckst.
11) Denn der Arme wird nicht aufhören in der Mitte in deiner Land zu sein, deshalb gebiete ich dir: Öffne deine Hand weit für deinen Bruder, deinen Elenden und deinen Armen in deinem Land.
Gedanken zum Text
Interessant, dass Gott hier wohl Armut bewusst zulässt, damit man ihm geben kann und sein Herz ihm nicht verschließt.
Ich habe das Gefühl, dass wir in unserer heutigen Gesellschaft, wenn jemand arm ist, davon ausgehen, dass er schon selbst verschuldet sein wird – oder das Geld, das ihm gegeben wird, falsch verwenden wird.
In manchen Fällen wird das wohl auch nicht völlig verkehrt sein, auch wenn es bestimmt nicht in allen Fällen stimmt. Davon spricht die Bibel hier aber überhaupt nicht. Was ist, wenn jemand selbstverschuldet ist? Soll man ihm dann etwa nicht mehr helfen?
Oder ist die eine Verantwortung die des Reichen, freiwillig für die Anderen da zu sein, während der Arme sich selbst darum kümmern soll, damit recht umzugehen?
Das erinnert mich ein bisschen an den Zehnten-Text im Maleachi. Meist zitieren wir nur den Teil, dass Gott möchte, dass der ganze Zehnte in sein Haus gebracht wird. Dabei ist der Kontext mindestens genauso interessant: In den Kapiteln davor kritisiert der Prophet die Priester und Leviten, die untreu geworden sind.
Damit kritisiert Gott, dass sein Volk ihn beraubt, indem es nicht den Zehnten an die korrupten und untreuen Priester und Leviten gibt.
Wenn wir geben – sei es dem Armen oder den Zehnten – dann geben wir dem Herrn. Wie der Empfänger es verwendet, ist dann seine Verantwortung vor Gott.
So sehe ich es immerhin. Wie geht es dir damit? Wenn du darauf achtest, dass das Gegebene nicht falsch verwendet wird, wie stellst du sicher, dass es nicht dein eigenes böses Herz ist, das nur nach Ausreden sucht, um nicht geben zu müssen und den Bettler mit gutem Gewissen ignorieren zu können?