Deuteronomium 14,22-27

Eigene Übersetzung

22) Gewiss verzehnten sollst du den ganzen Ertrag deiner Aussaat, was aus dem Feld hervorgeht, Jahr für Jahr.
23) Und es essen vor Jahwe deinem Gott an dem Ort, welchen er erwählen wird um dort seinen Namen wohnen zu lassen. Vom Zehnten des Korns, des Mostes und des Öls sowie vom Erstgeborenen deine Rinds und deines Kleinviehs, damit du lernst Jahwe deinen Gott zu fürchten ale Tage.
24) Und wenn der weg für dich zu weit ist, dass du es nicht tragen kannst weil der Ort für dich zu weit weg ist, den Jahwe dein Gott erwählen, um seinen Namen dort hinzustellen, weil Jahwe dein Gott dich gesegnet hat.
25) Dann gib es für Silber und binde das Silber an deine hand und gehe an den Ort, den Jahwe sein Gott erwählen wird.
26) Und gib das Silber für alles, wonach deine Seele begehrt für Rinder und Kleinvieh, für Wein und vergorene Säfte und für alles, wonach deine Seele verlangt, und iss es vor Jahwe deinem Gott und freue dich, du und dein Haus.
27) Aber den Leviten, der in deinen Toren wohnt, den vergesse nicht, denn er hat keinen Teil und kein Erbe mit dir.

Gedanken zum Text

Gerade gestern habe ich unter anderem über diesen Text gepredigt. Ich mag das Konzept, das Gott hier vorstellt, sehr gerne. Es ist ein großer Segen für uns, und ich finde es schade, dass man davon in unseren Gemeinden eigentlich nie etwas hört.

Eins vorab: Der zweite Zehnte, wie er hier beschrieben ist, ist klar an die jüdischen Festtage gekoppelt, die wir heute nicht mehr feiern. Dennoch enthält er so tolle Konzepte, dass ich denke, es wäre gut, wenn jeder Christ ihn geben würde – übertragen in unsere Zeit.

Ich besuche eine Adventgemeinde, und wer länger eine Adventgemeinde besucht, hört sicher von dem Konzept des Zehnten und möglicherweise auch vom zweiten Zehnten. Nur wird der zweite Zehnte in der Adventgemeinde generell anders definiert als hier im 5. Buch Mose. Bei den Adventisten bedeutet er, ein zweites Mal 10 % zu geben – jedoch nicht in die Gemeinde, wie den ersten Zehnten, sondern in die Mission oder für einen guten Zweck.

Ist das Prinzip, generell oder immer wieder mal 20 % statt nur 10 % in das Reich Gottes zu geben, gut? Ich finde es gut, aber es beeindruckt mich nicht so sehr wie das ursprüngliche Konzept des zweiten Zehnten, wie Gott es für sein Volk ausgedacht hat.

Ganze zehn Prozent der Ernte wurden zurückgelegt, um damit feiern zu können. In Israel gab es drei große Pilgerfeste: Passah, das Wochenfest (Pfingsten) und das Laubhüttenfest. Vor dem Laubhüttenfest war auch der Große Versöhnungstag, zu dem man normalerweise auch mit hingegangen ist.

Aber lange Pilgern und Feiern kann teuer sein. Der zweite Zehnte hat dabei dafür gesorgt, dass man nicht zu sparsam beim Feiern sein musste.

Gott wollte, dass die Feste nicht nur irgendwie eingehalten und sein Tempeldienst durchgeführt werden, nein, er gebietet seinem Volk, dass sie sich freuen sollen, wenn sie diese besonderen Gottesdienste feiern.

Es sollte das Schönste im Jahr sein, nach Jerusalem zu pilgern und dort Gott anzubeten.

So setzt Gott hier keine Grenzen: Sie durften sich Fleisch kaufen und verzehren, so viel sie nur wünschten (damals war Fleisch ein seltenes Luxusgut) – und selbst alkoholische Getränke werden erwähnt.

Warum könnte Gott hier Fleisch und Alkohol erlauben, obwohl wir heute wissen, dass beides schädlich sein kann?Vielleicht sei bedacht, dass die Traube eine der sieben Hauptfrüchte Israels war und diese, sobald sie gepresst wurde, anfing zu vergären. Vermutlich ging es nicht darum, dass Wein wegen des Alkohols erlaubt wurde, um sich zu betrinken, sondern trotz des Alkohols, weil alkoholfreier Traubensaft extrem schwer zu lagern war – so selten wie es frischen Traubensaft gab (nur wenige Stunden nach dem Pressen), wird dies wohl als das hochwertigste Getränk gesehen worden sein.

Das, was viele Übersetzungen als „starkes Getränk“ bezeichnen, was für mich immer nach etwas Hochprozentigem klang, ist wohl ein dem Wein ähnliches Getränk, das nicht aus Trauben hergestellt wurde. Einige vermuten hier Dattelwein oder Feigenwein; ich persönlich halte vergorenen Granatapfelsaft für recht wahrscheinlich, weil Granatäpfel sich zwar länger als Trauben halten, aber nicht so gut getrocknet und haltbar gemacht werden können wie Datteln und Feigen. Was denkst du, welches Getränk könnte gemeint sein? Bisher kenne ich keine Quelle, die uns hilft, es eindeutig zu identifizieren. Alles, was der biblische Text hergibt, ist, dass es sicher etwas Alkohol enthält, wohl nicht aus der Traube gemacht wurde und zu Essig weiter vergoren werden kann (also kein Bier).

Was auch immer es genau ist, es ist alkoholisch genauso wie der Wein. Beide enthielten wohlmöglich weniger Alkohol als unsere heutigen Weine und wurden teilweise auch verdünnt getrunken (deshalb gibt es ja auch Texte, die von Gottes Zornwein sprechen, der unverdünnt eingeschenkt wird), aber es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Gott Alkohol erlaubt, besonders bei den Festen an seinem Tempel.

Heute wissen wir ohne Zweifel, dass selbst die geringsten Mengen an Alkohol schädlich sind (und auch eine sehr fleischlastige Nahrung ist nicht das Beste für den Körper) – dennoch erlaubt Gott beides hier. Das Prinzip, dass sie die Feste genießen sollen, steht so hoch, dass Gott auch eine etwas ungesündere Ernährung in Kauf nimmt.

Als Familie haben wir dieses Prinzip auch übernommen: Als wir in unserem ersten Ehejahr über diesen Text studiert haben, haben wir uns entschieden, auch ein Konto für den zweiten Zehnten anzulegen. Dieses nutzen wir vor allem, damit wir den Sabbat so schön gestalten können wie möglich und uns am Sabbat besonders gutes Essen leisten können (was im Studium mit dem geringen Verdienst schon etwas sehr Besonderes war). Zudem hat es den zweiten Zweck, dass es ein Konto ist, von dem wir schnell freigiebig geben können, denn in anderen Texten spricht es beim zweiten Zehnten auch darüber, es für die Witwen und Waisen zu geben.

Dabei sind wir an den Sabbaten auch nicht ganz so streng mit Gesundheitsprinzipien. Auch da essen wir kein Fleisch und trinken ganz sicher keinen Alkohol, aber wir nutzen auch Ersatzprodukte oder Fertigprodukte, die wir normalerweise im Alltag nicht nutzen würden, da sie nicht den höchsten Gesundheitsstandards entsprechen.

Warum trinken wir dennoch keinen Alkohol, obwohl Gott ihn hier erlaubt? Weil es dafür keinen guten Grund gibt. Es ist offensichtlich, wie schädlich Alkohol ist. Dass Gott ihn in Israel erlaubt hat, muss nicht bedeuten, dass es generell sinnvoll ist. Ich bin überzeugt, dass der Alkohol nicht wegen des Alkohols erlaubt wurde, sondern weil Trauben automatisch schnell vergoren sind. Israel hat hauptsächlich von sieben Früchten gelebt. Eine davon, die Traube, ist beim Pressen sofort vergoren. In einem Land, in dem es oft schwer war, an frisches Wasser zu kommen, konnte der Saft der Traube von enormer Bedeutung gewesen sein – zumal hätten sie sonst 1/7 der Ernte entsorgen können.

Welchen Grund gibt es heute noch, alkoholische Getränke zu konsumieren? Bei dem Reichtum an Obst und Gemüse, den wir heute haben, und bei den Methoden, Säfte zu lagern, ohne sie vergären zu lassen, sehe ich keinen Grund, warum alkoholische Getränke für uns notwendig oder sinnvoll wären. Wenn du in einer Gegend wohnst, wo du nicht viel mehr Früchte als Israel damals zur Verfügung hast und du alkoholische Getränke trinkst, weil es nichts anderes gibt, dann mag das okay sein, aber für alle, die frischen Saft statt Alkoholischem bekommen können (und das sogar günstiger), und die eine Auswahl von Obst und Gemüse im Supermarkt finden, von denen die Israeliten nur hätten träumen können, gibt es doch keinen guten Grund, sich selber mit einem minderwertigen Lebensmittel zu vergiften. Wer will schon freiwillig so dumm sein?

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