Deuteronomium 14,9-10

Eigene Übersetzung

9) Dies dürft ihr essen von allen was im Wasser ist, alles was Flossen und Schuppen hat, dass dürft ihr essen.
10) Und alles, das keine Flossen und Schuppen hat sollt ihr nicht essen unrein sind sie für euch.

Gedanken zum Text

Von allen Speisevorschriften scheinen die Meerestiere wohl am herausforderndsten zu sein.

Wie gestern erwähnt, begründen viele die Speisegebote mit gesundheitlichen Aspekten – es sind ja auch keine Karnivoren unter den Landtieren erlaubt. Doch im Wasser gibt es kaum reine Pflanzenfresser; nahezu jeder Fisch frisst, was in seinen Mund passt, egal ob es Insekten oder kleinere Fische sind (oft wird sogar der eigene Nachwuchs verzehrt).

Zudem sind Schuppen nicht so zuchtbeständig wie gespaltene Hufe oder das Wiederkäuen. Züchtungen wie der Lederkarpfen und der Nacktkarpfen haben beispielsweise keine Schuppen, während andere Zuchtformen Schuppen haben – aber warum sollte er verboten sein, schließlich gleicht er ansonsten seinen schuppigen Verwandten.

Und der Aal? Er hat sehr kleine Schuppen, die kaum zu erkennen sind. Wäre er nun rein oder nicht?

Interessanterweise erfüllt auch der Piranha die Bedingungen für einen reinen Fisch. Da er aber auch Landtiere isst (wenn sie verletzt ins Wasser geraten), wie passt das in die saubere Definition, dass keine Karnivoren gegessen werden dürfen?

Klar ist nur, dass alles Lebende im Wasser, das kein Fisch ist (Muscheln, Garnelen, etc.), unrein ist – ebenso wie Meeressäuger, z. B. Wale, Haie und Delfine.

Was lernen wir nun daraus?
Mir scheint es ein wenig so, als seien diese Gebote spezifisch für die Region Israel in der Zeit Moses gegeben und nicht unbedingt als universelle Definition, die auch alle Tiere auf allen anderen Kontinenten einschließt. Ein Piranha könnte schließlich einen Menschen gefressen haben – schwer vorstellbar, dass er dann noch rein ist, oder?

Natürlich sind die Gebote allgemein genug, um auch auf anderen Kontinenten angewendet zu werden. Doch wer Fisch isst und die Speisegebote einhalten möchte, sollte sich wohl nicht nur stur an die Zeichen halten, sondern sich fragen: Passt es zu einem heiligen Volk, dieses Tier zu essen?
Plötzlich könnte etwas, das nach dem Buchstaben rein ist, gar nicht mehr so rein wirken – und das gilt nicht nur für Fische. Ich kann mir beispielsweise schwer vorstellen, dass Gott die heutige Massentierhaltung gutheißen würde. Hätte Gott, wenn Massentierhaltung schon zur Zeit Israels üblich gewesen wäre, auch Tiere aus dieser Haltung als kategorisch unrein eingestuft?

Da ich mich selbst vegan ernähre, ist es für mich etwas einfacher: Ich meide schlichtweg jedes Fleisch. Doch wer sich weiterhin von Fleisch ernährt (und kein Text der Bibel schreibt Veganismus vor), sollte sich als Nachfolger Jesu dennoch Gedanken machen, wie er dies verantwortungsvoll als Kind Gottes und Teil des heiligen Volkes tun kann – und nicht einfach alles verzehren, was unsere Nachbarn essen – und vielleicht auch nicht alles, was nach dem Buchstaben rein ist.

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